Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 247 (sequence 9)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 247 Thema: „F riedri ch d er G r o ß e und I o s e p h II. u u b ihre Beziehungen z u den Jude n" Der Redner schilderte, Licht und Schatten maßvoll verteilend, wie sich der Sohn des großen Soldatenkönigs, teils aus volkswirtschaftlichen Gründen, teils durch den Verkehr mit freien Denkern und eigene zweifellose philosophische Begabung von ererbten Vorurteilen gegen seine jüdischen Untertanen nach und nach befreite, die Juden für die Hebung von Handel und Industrie in Preußen, besonders für die Anlegung von Fabriken nutzbar zu machen suchte, ihrer gemeindlichen Zusammenfassung Wohlwollen, ihren Rabbinern Achtung entgegenbrachte, den jüdischen Untertanen zwar schwere finanzielle Lasten auferlegte, aber doch ihre kulturelle Lage und ihr Selbstgefühl so hob, daß ihm die Juden nicht nur die größte Bewunderung zollten, sondern unter ihn: zu opferfreudigen Staatsbürgern heranreiften, die zwar noch keine Gleichberechtigung besaßen, dieser aber durch Pflichttreue und bürgerliche Tüchtigkeit sich immer Nu'irdiger erwiesen. Der Redner betonte, daß Moses Mendelssohn lutb seine Epigonen, kaum das, was sie für das deutsche Judentum gewesen sind, hätte:: werden können, wenn nicht das friederiziauische Zeitalter ihnen begeisterte Anregungen geboten und jene Sympathien für das Deutschtum eiugeflößt hätten, die Friedrich der Große trotz seiner Vorliebe für die französischen Ausklärungsphilosophen durch sein Wesen und Wirken in den weitesten Kreisen wachgerufen hat. Selbst den „Josephinismus", der die österreichischen Juden von schweren Bedrückungen in beglüendster Weise befreite, führte der Vortragende aus Friedrich der: Großen zurück, weil Joseph II. bestrebt gewesen sei, den: Preußenkönig, den: er keine Schlachten abgewinneu konnte, wenigstens auf dem Gebiete der Humanität den Rang streitig zu machen. Der durch höchst interessante geschichtliche Darlegungen und Zitate so wie auch durch humoristische historische Anekdoten gewürzte Vortrag schloß mit einem ernsten Hinblick auf die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland und Oesterreich und auf eine Würdigung der von dem Central-Verein entwickelten Tätigkeit zum Schutze gegen eine rückläufige Strömung, die der Verein mit göttlicher Hilfe und der Unterstützung aller deutschen Juden sicher überwinden werde. Langanhaltender Beifall folgte diesen Ausführungen. Von