Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 219 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 219 Mjert Blätter alle ähnlichen Beschönigungsversuche nachüfften, der russischen Bevölkerung -den ärgsten Deutschenhaß einimpft und ungefähr so in dem Judentum die für die SLockrussen unerträgliche deutsche Intelligenz, den „Njemetz" zu überwinden glaubt, wie man etwa in Preußen durch den Antisemitismus dem Liberalismus unterzukriegen wähnt. Wie die deutschfeindlichen Stockrussen denken viele Polen und Czechen; für sie handelt es sich weit weniger um Juden oder Christen, als um die „Deutschen" und die Slawen. Das Gnesener Kolenblatt „Lech" jubelt: „Seit der Boykott der deutschen und jüdischen Geschäfte unter der Losung „Jeder zu den Seinen" tatkräftig durch geführt wird, hat unser Handel und Gewerbe einen nie dagewesenen Aufschwung erlebt. Polnische Geschäfte sind in kleineren und größeren Orten des Grüßherzogtums und in den anderen polnischen Landesteiten wie Pilze nach dem Regen aufgeschossen und haben die deutsch-jüdische K o n k u r r e n z v e r d r ä n g t — dadurch haben die polnischen Aerzte, Rechtsanwälte und überhaupt alle gewonnen, die mit der polnischen Kundschaft zu tun haben. Hunderte von Millionen sind in unserer Tasche geblieben, unser Wohlstand und nationaler Besitz hat sich ungeheuer gehoben." Um diesen Boykott noch mehr zu fördern, plant der „Straß- Verein" die Herausgabe eines Adreßbuches der polnischen Kaufmannschaft und Industrie für die Provinz Posen. Daß die deutschen Konservativen in den Ostmarken aus diesen Wahrnehmungen eine Lehre ziehen würden, ist nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte kaum noch zu hoffen; sie sehen den polnischen nationalen Besitz sich täglich heben und wollen noch immer nicht zugeben, daß der sich fälschlich als „deutsch-national" bezeichnende Antisemitismus die Erfolge der Polen wesentlich dadurch erleichert, daß er die Zahl der in den Ostmarkeu wohnhaften Juden, die früher einen Sturmbock für das Deutschtum bildeten, bedenklich dezimiert. Die jüdische Abwanderung ist, soweit es sich um die für die Ostmarken besonders empfindlichen Wegzüge kapitalkräftiger Juden handelt, besonders der sozialen Isolierung zuzu-