Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 218 (sequence 7)
- Language
- German
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21R Im deutschen Reich. auf der Tagesordnung des preußischen Landtages stand, schrieb der jetzige Geschäftsführer des Bundes der Landwirte in München, der bekannte Antisemit Weng g, in dem von ihm herausgegebenen „Deutschen Volksblatt": Wenn man gegen die Polen Ausnahmegesetze machen kann, kann mau sie auch gegen die Juden schaffen. Vielleicht wird von antisemitischer Seite einmal der Antrag eing e b r a ch t, d a s V e r m ö g e n u n sere r jüdis chen B a nk e n, M illi o n ä r e wnh Bi iltiardäre z u expropriieren. Ein nationales Interesse läge dafür litt* streitig in io eit höherem Maße als bei dem Antipolengesetze vor." Deutlicher kann man kaum ausdrücken, was die Antisemiten, die sich stets als Pächter der nationalen und monarchischen Gesinnung aufspielen und dabei ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen suchen, als „nationales Interesse" ansehen. Und das ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht etwa nur die Gesinnung eines einzelnen antisemitischen Heißsporns, sondern auch der Gedankengang mancher Konservativen. Der entschiedene Gegner der Enteignungsvorlage, Graf v. Oppersdorf, hat zwar bestritten, am Schlüsse seiner Herrenhausrede gesagt zu haben: „Nichts spricht dagegen, daß einmal I s r a e l i t e n u n d so w e i t e r dem Begriffe des öffentlichen Rechtes lals Objekte der Enteignungsgerechtsame des Staates) zum Opfer fallen." Er hat aber doch zugegeben, in seiner Rede bei Erwähnung der Entrechtung, die 50 Jahre nach Erlaß der preußischen Verfassung möglich geworden sind, von „Jsmaeliten und Israeliten" gesprochen zu haben. Es ist für preußische Zustände charakteristisch, daß als Objekte etwaiger rechtsbeugender Ausnahmegesetze sofort die „Israeliten" sich der Phantasie der Agrarier aufdrängen, die sich für gute Deutsche halten. Diese angeblich durch und durch „national"-gesinnten Männer übersehen vollständig, daß sie durch ihre Rassenvorurteile nicht nur die Juden kränken, sondern auch das Deutschtum überall schädigen, wo es von fremden Nationalitäten umdrängt wird. Völlig verblendet sind die konservativen Agrarier, die geglaubt haben, die entsetzlichen russischen Pogrome mit dem vermeintlichen Wucher von jüdischer Seite entschuldigen 51t könnensie wissen heute noch nicht, daß das russische Antisemitenblatt „Nowoje Wremja", dem die deutschen judenseind-