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Im deutschen Reich · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. 220

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-04-01
Page
220 (sequence 9)
Language
German
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220 Im deutschen Reich. schreiben, die von ihnen als eine empfindliche und unerträgliche Zurücksetzung betrachtet werden muß. lieber Geschmacksachen läßt sich nicht streiten, aber daß gerade die Angehörigen der Kreise, die stolz auf ihre fcutnt nachweisbare germanische Rassenechtheit sind, bisher besonders vorsichtig in der Wahl ihrer politischen Genossen gewesen seien, oder an ihren vermeintlich „arischen" Schützlingen besondere Ehre und Freude erlebt hätten, wird wohl niemand im Ernste behaupten. Eine ganze Reihe solcher „teutscher" Knappen, die mit konservativer Hilfe zu Reichstags- und Landtagsmandaten gelangten, — wie Ahlwardt, Krösell, Köhler, Werner, Bruhn unb Zimmermann — sind inzwischen wieder von ihren ehemaligen konservativen Gönnern abgeschüttelt, oder ihnen herzlich unbequem geworden. Daß die vornehmeren Konservativen noch immer an den abgedroschenen Zirkuswitzen Liebermanns sich ergötzen, ist ebensowenig anzunehmen, als daß sie noch auf eine Einladung nach seinem unauffindlichen Stamrnschloß rechnen. Das Gefühl, daß man ihrer offenbar überdrüssig wird, wirkt auf die bisherige deutsch-soziale und die christlich-soziale Gefolgschaft der Konservativen so Peinlich ein, daß sie den Aerger durch heftige Ausfälle gegen die „Kreuz-Zeitung" Luft zu machen suchen. Die Stöckerpresse wirft dem Hauptorgan der Konservativen „schlechte Manieren" vor, und der zweite Vorsitzende der von Stöcker gegründeten „Freien kirchlichsozialen Konferenz", Dietrich v. Serben erklärt in seinem Blatt, daß er als Redakteur mit der Ehre und dem guten Namen seiner Mitmenschen gewissenhafter als die „Kreuz- Zeitung" umgegangen sei. Die Liebermannschen „Deutschsozialen Blätter" bezeichnen das jetzige Verhalten der „Kreuz- Zeitung" als ein törichtes, das beweise, wie dieses Blatt in taktischen Fragen noch in den Kinderschuhen stecke. Daß die Konservativen von der antisemitischen Fraktion etwas abgerückt sind, ist aber wohl weniger auf eine Besserung ihres Geschmacks als auf die Wahrnehmung zurückzuführen, daß die ihnen Dank schuldenden Fraktionen bei der Mandatenjagd ihnen fortwährend rücksichtslos ins Gehege kommen. Man darf deshalb begierig darauf sein, ob bei künftigen Wahlen, aus angeblich „deutsch-nationalen" Gründen, die im Kreise Arnswalde-Friedeberg einflußreichen konservativen Agrarier sich für den bisherigen Reichstagsabgeordneten

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