Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-04-01
Page
215 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316771--17629-2339915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

UlUJU/UU. versammelten Dichter und Denker wieder keinen Besseren als den Juden Simson, der nebenbei auch auf Bismarcks eigenste Jinitiative die höchste richterliche Stellung im deutschen Reiche bekleidete. Dem als Jude geborenen, kürzlich verstorbenen Juristen Heinrich Dernburg wurde auch von Konservativen nachgerühmt, daß er einer der feinsten und tiefsten Kenner und Deuter germanischer Rechtsanschauungen gewesen sei. In jedem deutschen Zivilgerichtshof, sagte man, auf seine Werke weisend, sei er ein stiller Beisitzer gewesen. Und Berthold Auerbach, der Dichter des Barfüßele? Wie seltsam, daß die Gothaische Hofgesellschaft, die nach der einschlägigen Memoirenliterätur den Dichter der Schwarzwälder Dorfgeschichten umjubelte, bei dem früheren Talmudschüler von fremdem Empfinden nichts verspürte. Als Gottfried Keller entzückt von der Gemeinsamkeit ihres Denkens und Empfindens Moritz Lazarus das brüderliche „Du" anbot, — wie grob wäre wohl Keller geworden, wenn man ihm bedeutet hätte, der andere sei ein Mann fremder Rasse, ein Fremder? Dergleichen Beispiele ließen sich unendlich vermehren. Was erläutern sie? Daß es die Wahrheit auf den Kopf stellen heißt, wenn man zu verstehen gibt, daß die Juden „jetzt" anfangen zu empfinden wie die Arier, sie zeigen, daß derartige isolierende Begriffsbildungen wie „arisches Empfindungsleben" auf Menschen angewendet, die der heutigen Kulturgemeinschaft angehören, keine reale Basis haben und durch die Tatsachen fortwährend widerlegt werden. Es i st mir im Grunde herzlich! gleichgültig, welcher Rasse ich entstamme, aber' nicht gleichgültig ist es mir, welcher Nation ich mi ch heute zu zu zäh len habe. Auf die Frage nach dem Wesen des nationalen Zusammenhanges antwortete Lazarusi „Geistige Gemeinschaft!" Und diese ist unabhängig von der Abstammung. Darum durfte auch Steinthal seinem Freunde und Schüler, dem evangelischen Theologen Glagau schreiben, man könne ihn wohl davon ausschließen, ordentlicher Professor oder dergleichen zu werden, aber niemand sei imstande, ihn zu hindern, der deutschen Nation anzugehören. Moritz Lazarus erwähnen, heißt ihn rühmen; — ganz abgesehen Von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.