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Im deutschen Reich · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
Date
1908-04-01
Page
207 (sequence 6)
Language
German
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Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums. 207 hard, zum Kaiser Friedrich II!. nach Linz gereist war, lernte er am Hofe des Kaisers dessen Leibarzt, den gelehrten Juden Jechiel Loans, kennen, und ließ sich von diesem in der Kenntnis der hebräischen Sprache unterrichten. Auch bei Obadja Sforno, den er später in Rom kennen kernte, hatte er hebräischen Unterricht. Sein Werk „de rudimentis hebraicis“, das 1506 erschien und sowohl Lexikon als auch Grammatik ist, war zwar von den Werken der jüdischen Gelehrten, insbesondere des David Kimchi, stark abhängig, aber doch das erste von einem Christen über die hebräische Sprache verfaßte Werk. Welchen Wert Reuchlin diesem Werke, das er seinem Bruder Dionysius widmete, beilegte, zeigte sich darin, daß er dem Schlüsse desselben den Horazischen Vers anfügt: exegi monumentum aere perennius („ein Denkmal habe ich aufgerichtet dauernder als Erz"), und daß er später den Verdächtigungen seiner Feinde gegenüber sich rühmte, daß er das Werk nur mit eigener Anstrengung gemacht habe „zu nutz und uffgang der heiligen geschrisst und unfern studenten zu tust und Übung — und ist vor mir nie keiner kummen, der sich unterstanden hat, die gantze hebräische sprach in ein Buch zu reguliren, und solt der neid sein (Pfefferkorns) Hertz zerbrechen, vermocht bin ich der erst". Das Interesse, das Reuchlin an der hebräischen Sprache nahm, war zunächst ein philologisches; da die Ursprache der alttestamentlichen Schriften die hebräische ist, kam das theologische Interesse hinzu, aber vor allem war es das mystische Interesse, das ihn der hebräischen Sprache und Literatur zuführte. Das Hebräische galt Reuchlin als die Sprache, in der Gott mit den Engeln geredet und in der Gott nicht nur dasjenige offenbart hat, was in der heil. Schrift enthalten ist, sondern auch eine verborgene Lehre, die von den Engeln an Adam, die Erzväter und Moses gelangte und in späteren jüdischen Schriften aufbewahrt ist. Auf einer seiner Reisen nach Italien hatte er den Grafen Johann Picus von Mirandola kennen gelernt und von ihm die Anregung empfangen, sich der Kabbala zuzuwenden. Mit welchem Eifer Reuchlin dies getan hat, erkennen wir daraus, daß er schon. 1494 eine Schrift veröffentlichte mit dem Titel: de verbo mirifico („vom wundertätigen Wort"). Ein anderes von feiner großen Belesenheit auf dem Gebiete

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