Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 206 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. WWW» ros vertilgen sich vorgenommen habe. Dem Einwande, daß die Maßregel nutzlos sei, da die Juden die verbotenen Bücher verbergen oder nachher aus dem Ausland.e beziehen würden, begegnet er durch den Vorschlag, man möge ihnen einen Eid auferlegen, daß sie alle ihre Bücher ausgeliefert hätten und keines vom Auslande beziehen würden; bei wem dann ein verpöntes Buch gefunden werde, den solle man als einen Meineidigen bestrafen. Im Anschlüsse an diese Schrift erließ er ein Ausschreiben an alle Geistliche und Weltliche, das wahrscheinlich als Flugblatt in Umlauf gesetzt wurde und worin er vor den ungetreuen Christen warnt, die durch Geld bestochen sich der Juden annehmen und sein Vorhaben zu durchkreuzen suchen. Die Angelegenheit nahm für die Juden eine günstigere Wendung, indem Kaiser Maximilian von Augsburg aus am 23. Mai einen Befehl erließ, den Juden ihre Bücher, deren Mangel sie namentlich beim Gottesdienste bitter empfanden, bis auf weiteres zurückzugeben. Dieser Befehl gelangte am 0. Juni an den Frankfurter Rat, und am folgenden Tage wurden ihnen ihre Bücher mit der Auflage übergeben, dieselben in ihren Synagogen zu brauchen, sonst aber nirgends hin zu schicken, zu führen oder zu tragen. Das war freilich ein großer Erfolg, den die Juden errungen hatten, aber die Gefahr, die ihren Büchern und zugleich ihrer Religion und ihrem ganzen geistigen Leben drohte, war damit nicht endgiltig beseitigt. In der Tat wußten es Pfefferkorn und sein Anhang durchzusetzen, daß der Kaiser von Füssen aus am 6. Juli ein viertes Mandat erließ, wonach Uriel von Mainz von den vier theologischen Fakultäten Mainz, Köln, Erfurt und Heidelberg, sowie von Jacob Hochstraten, Johannes Reuchlin, Victor o. Karben Gutachten einholen sollte, „ob es göttlich und löblich und unserm heiligen Glauben nützlich sei und zur Mehrung und Gut kommen mög die Bücher der Juden mit Ausnahme der Bibel abzuthun". Es war ein Glück für die Juden, daß unter den Gutachtern sich Reuchlin befand, dessen Vorliebe für die hebräische Literatur eine dreifache Wurzel hatte, eine philologische, eine theologische und eine mystische. Reuchlin war in Europa einer der ersten Christen, die sich mit dem Studium der hebräischen Sprache befaßten. Als er im Jahre 1492 im Aufträge seines Fürsten, des Grasen Eber-