Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums
- Date
- 1908-04-01
- Page
- 205 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Humanist Reuchlin als Verteidiger des jüdischen Schrifttums. 205 Johann Pfefferkorn, die in Worms, Mainz, Bingen, Lorch, Lahnstein und Deutz Konfiskationen solcher Bücher Vornahmen, die Pfefferkorn als anstößig bezeichnete. Kurz vor Ostern kamen sie auch nach Frankfurt; auf Vorstellungen des Rats aber, der es als im Interesse der Stadt liegend gefunden hatte, sich der Sache der Juden anzunehmen, verschoben sie ihre Tätigkeit bis nach Ostern. Am 9. April erschienen sie wieder vor dem Rat, nur seinen Beistand zur Vollziehung der erzbischöflichen Kommission zu erlangen; die Sache zog sich bis zum 13. hin, an welchem Tage die Juden ihre Bücher abliefern mußten, die dann in Fässer gelegt und vom Rate in Verwahrung genommen wurden. Pfefferkorn rühmte sich, den Juden nicht weniger als 1900 Bücher fortgenommen zu haben. Um für die Angelegenheit, die er mit dem Feuereifer des fanatischen Apostaten betrieb, allgemeine Stimmung zu machen, hatte er int Februar eine wahrscheinlich von den Dominikanern verfaßte Schrift erscheinen lassen, deren Titel lautete: „In lob und eer dem allerdurchlauchtigsten großmechtigsten Fürsten und Herrn Herrn Maximilian von Gottes Gnaden römischen Kaiser u. s. w. hat Johannes Pfefferkorn vormals ein Jud und nun ein Kryst dyß Buchlein aufgericht und in XVI eapitel geteilt". In dieser Schrift, die auch in lateinischer Sprache erschien, werden zunächst die Verleumdungen wiederholt, die er schon in früheren, auch deutsch und lateinisch unter seinem Namen erschienenen Büchern, wie der Judenspiegel, die Judenbeicht, der Judenfeind gegen die Juden und ihre Gebräuche vorgebracht hatte. Sodann macht er der jüdischen Literatur, mit Ausnahme der biblischen Bücher, den Vorwurf, daß sie von Schmähungen gegen das Christentum voll und daran Schuld sei, daß sich die Juden nicht dem Christentum zuwendeten. Er berichtet über die Schritte, die er bisher gegen dieselben unternommen habe und nennt auch die Herzogin Kunigunde als seine Gönnerin. Er fordert alle Fürsten, gnädigste und gnädige Herren, auch alle Stände der Christenheit auf, sie sollten die Schmach, die durch die falschen und ungegründeten Schriften der Juden Gott dem Allmächtigen, Marien, seiner lobwürdigen Mutter, und allen Gottes Heiligen angetan werde, zu Herzen fassen, und sich den Ernst zum Vorbilde nehmen, mit welchem die Römische Kaiserliche Majestät als ein wahrer Liebhaber Gottes solche Bücher zu