Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Berlin
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 170 (sequence 3)
- Language
- German
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170 Im deutschen Reich. keine Judenfreunde, aber sicher die erfolgreichsten Meister Ln der Staatsverwaltung waren. — Zu den Berliner Kaufmannsgerichtswahl e n wird uns von einem Handlungsgehilfen geschrieben: „Während die Beteiligung der Antisemiten eine besonders rege war, konnten die jüdischen Handlungsgehilfen vielfach selbst bei größten Anstrengungen und nach wiederholten persönlichen Aufforderungen nicht zur Wahlurne gebracht werden. Was soll man dazu sagen? Fühlen diese Leute gar nicht die Schmach, die in diesen Tatsachen liegt? In der Wahlzeitung für den 9. Februar wird u. a. folgendes Flugblatt des D. H.-V. abgedruckt: „Es macht wirklich Vergnügen, die Flugblätter dieser beiden feindlichen Brüder (Verein der deutschen Kaufleute wtb Central-Verband) zu lesen, denn eigentlich sind sie gar nicht feindlich und möchten nur so tun. Es ist nur ein klein wenig Futterneid, der diese „Jakob und Esau" veranlaßt, sich ihre alttestamentarischen Locken zu zausen. Esau, der Verein der Deutschen Kaufleute, verteidigt hartnäckig das Recht der Erstgeburt, nämlich die Stimmen der jüdischen Kaufmannsgerichtswühler, gegen den kleinen listigen Jakob, den Central-Verband re. Der Verein der Deutschen Kaufleute hält es sogar für nötig, sich gegenüber der Verdächtigung des Central-Verbandes zu rühmen, daß er der gefürchtetste Gegner der Antisemiten sei. Der kleine Cohn als furchterregender Held! Homerisches Gelächter ist die richtige Antwort. Wir sollen zu Wahlzeiten unsere „antisemitische Tendenz" zu verbergen trachten. Das haben wir wirklich nicht nötig. Ein so verjudeter Verein wie der „Verein der Deutschen Kaufleute" muß allerdings in dem Ausschluß der Juden ein Kapitalverbrechen erblicken. Man braucht nur die Kandidatenliste der „deutschen" anzusehen, und man bekommt von seiner Mitgliederzusammensetzung einen klaren Begriff. Da sind die Schlochauer, die Cohn's, die Lewy's, Löwrps und die Davidsohn's usw., unter 180 Kandidaten 40—50 Juden. Da kann man wohl den Schmerz verstehen, daß es Leute gibt, die es in Berlin wagen, eine völlig judenreine Liste zu den Kaufmannsgerichtswahleil aufzustellen usw." Und da wagen es die „Dentschnationalen" noch, ihren