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Im deutschen Reich · 1908-03-01 · Heft 3 (März 1908) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 3 (März 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-03-01
Page
166 (sequence 14)
Language
German
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i 66 In? bcittfdjcn Reich. Wien wahrhaft sozial gesorgt. In Berlin hat man. nur leere Redensarten und hochsahrende Worte für Beamtenpetitionen übrig, ja, läßt sich die Pflicht, gewisse Beamtenklassen angemessen zu bezahlen, erst durch langwierige, durch alle Instanzen geführte Prozesse abringen. In Wien hat Dr. Lueger das Wald- und Wiesengesetz durchgesetzt, das den Wiener Wald und viele anderen Wälder und Auen für die hygienischen Bedürfnisse der Hauptstadt rettete und der jüdischen Terrainspekulation entzog, ja, einen Waldgürtel um Wien schuf, — in Berlin hat man für solche Dinge keine Zeit übrig. In Berlin versteht man nur das Schuldenmachen." Die Sache liegt aber völlig anders. Die Antisemitenverwaltung in Wien tat alles, was sie schuldig war, sie ist aber noch alles schuldig, was sie tat. Die Besteuerung der Bürger ist viel größer als in Berlin, wo sie seit Jahren sich aus gleicher maßvoller Höhe hält, die niedriger ist als in vielen Provinzftädten. Daß Wien erst in neuester Zeit eine neue Anleihe von fast 400 Millionen Kronen aufnehmen muß, um die Kosten der Lueger-Schöpfungen zu 'decken, ist die beste Illustration zu der Lobpreisung der Wiener Pumpwirtschaft durch die Berliner „Staatsbürger-Zeitung", deren Kampfweise gegen das Rote Haus in Berlin durch die Verleumdungen gekennzeichnet wird, die sie gegen manchen der jüdischen Stadtverordneten richtet, die ihr als Anwälte der Hüuswirte und Terrainspekulanten gelten, und gegen den freisinnigen Stadtverordneten Kämpf, gegen den das Blatt Anschuldigungen aufwürmt, die er längst öffentlich schlagend widerlegt hat. Das Berliner Stöckerblatt sucht offenbar mit der Wiener Antisemitenpresse zu wetteifern, die um so mehr zetert, je mehr sie sich blamiert. Der österreichische Ministerpräsident Freiherr v. Beck, der sich von Lueger die Antisemiten Dr. Ebenhoch als Ackerbauminister und Dr. Geßmann als Minister ohne Portefeuille hat aufhalsen lassen, verhält sich neuerdings gegen diese Kollegen ziemlich ablehnend — und die von dem Ministerpräsidenten inspirierten Wiener Blätter äußern unverhohlen ihr Mißvergnügen über das Verhalten des christlich-sozialen Parlaments-Präsidenten Dr. Weißkirchner. Dagegen sprechen sich die Organe Luegers so unfreundlich als möglich über den Ministerpräsidenten aus, der angeblich versichert habe,

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