Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 165 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316770--17523-2339779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Umschau. 16 5 Geschrei unb wenig Wolle." Als er, sich gegen den noch nicht für alle agrarischen Zukunstspläne begeisterten Teil der Zentrumspresse wendend, ein dem König Friedrich Wilhelm IV. bei der Aufführung der Hugenotten entfallenes Scherzwort zitierte: „Evangelische und Katholiken schlachten sich ab und ein Jude macht die Musik dazu", ertönte ringsuni solches Beifallsgeschrei, daß der Mangel an Wolle kaum fühlbar werden konnte. Der Jude ist nicht so dumm, daß er an der Verhetzung anderer Konfessionen sich ergötzen könnte, oder so übermütig, antisemitische Phantasien in Musik zu setzen. Dem antisemitischen Beginn der 15. Bundesversammlung entsprachen auch die mit antisemitischem Geschrei gewürzten Schlußszenen. Als Generalmajor v. Kloeden-Wiesbaden im Interesse der zahlreichen Beamtinnen, die sich unter seinen Schutz gestellt haben, für eine Junggesellensteuer eintrat, glaubte er, einen großen Witz gerissen zu haben, indem er „einen Raub der R a b b i n e r — Verzeihung Sabine x" prophezeite. Eine Fülle von Depeschen ward dann verlesen, von denen eine-mit dem Schluß: „Hep, hep, Hurra!" großen Jubel h e r v o r r i e f. Es war also hinreichend für die antisemitische Radaulust der Bundesbrüder gesorgt. Genau so wie die Antisemiten in Deut s chlaud, wenn sie mit ihrem Latein zu Ende sind, stets den Rassenhaß verleugnen und nur das religiöse Vorurteil geltend machen; wie sie ferner in wirtschaftlicher Beziehung die Entschuldung des Grundbesitzes als höchst dringlich bezeichnen, aber die Schuldenlasten des Staates und der Gemeinde zu vergrößern nicht das geringste Bedenken haben, Hausen in Oesterreich die dort nicht nur im Wiener Rathause dominierenden, sondern auch im Ministerium vertretenen Christlich- Sozialen. Die Erfolge der Wirtschaftspolitik der Koterie Luegers sind aber durchaus nicht geeignet, zur Nachahmung zu verlocken! Die „Staatsbürger-Zeitung" ist freilich von diesen Erfolgen der Wiener Antisemiten-Clique begeistert; sie schreibt, aus die Urteilslosigkeit ihrer Leser rechnend: „Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen usw. wurden in Wien in städtische Regie genommen. In Berlin denkt man garnicht daran. Für Beamte und Arbeiter wird in