Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 161 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 161 geboten. Wenn trotzdem die Zahl der Arbeitslosen irr Berlin wächst, ist das nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die hier gezahlten höheren Löhne die Arbeiter aus den kleinen Städten und dem flachen Lande unwiderstehlich heranlockten, um einer besseren Lebensführung teilhaftig zu werden. Es ist ein greller Widerspruch, daß nicht nur für die deutsche Industrie, sondern auch für deutsche Bodenerzeugnisse beständig neue ausländische Absatzquellen angestrebt und erreicht werden, daß die Technik unablässig unsere Vekehrsmittel vermehrt, daß die deutsche Jugend, der englischen nacheifernd, vielfach ihre Künste und Fähigkeiten in fernen Weltteilen erprobt —, und daß dennoch die preußische Regierung durch grundsätzliche Ablehnung von AcrLurcrlisationsgesnchen und nur durch fragwürdige Denunziationen begründete Ausweisungen harmloser Ausländer sich der mit den Einheimischen friedlich zusammenarbeitenden Fremdlinge zu entledigen sucht. Die Liberalen aller Schattierungen haben jetzt allen Grund, dieselbe Tonart anzuschlagen, die Fürst Bülow ihnen gegenüber bei der Wahlrechtsdebatte als angezeigt erachtete, damit er sich davon überzeugt, daß er sich mit den nach rechts und links gespendeten äußerlichen Liebeszeichen zwischen zwei Stühle gesetzt hat und mit Ratgebern wie Lieb er - m a n n und L a t t m a n n die Blockpolitik nicht fortsetzen kann. Man ist müde, sich mit Versprechungen füttern zu lassen und will endlich Taten sehen. In der Theorie ist alles schön; in der Praxis bleibt alles beim alten. Dem neuen KuXtustninifter Bolle scheint der liberal-konservative Block schon als beseitigt zu gelten und der ersehnte Augenblick nahe zu sein, in dem er der konservativ-ultramontanen Parung seinen Segen erteilen kann. Der Zentrumsabgeordnete Or. Porsch bestätigte, daß der Minister bestrebt gewesen sei, dem Zentrum sein Wohlwollen in Sachen der Orden ziffernmäßig nachzuweifen. In bezug auf die Schulaufsicht erklärte der Minister im preußischen Landtage seine Zustimmung zu den Schwarzkop ffs ch en Darlegungen und am Schlüsse derselben Sitzung am 13. Februar bekräftigte er seine Sinnesgemeinschaft mir dem Ministerialdirektor Schwarzkopff noch durch die Erklärung, daß die Professoren der Theologie berufen seien, auch an der