Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 Im deutschen Reich. konnten." Der kleinen Fraktion Liebermann ist aber der Kamm so geschwollen, daß sie sich schon als „Erzieher der Liberalen" aufspielt und ihnen gute Lehren erteilt, deren schönste darin gipfelt: „Der Jude muß aus dem politischen Leben unseres Vaterlandes ganz entfernt w e r d e n!" Die freisinnigen Politiker werden dazu kaum die Hand reichen; sie wissen sehr gut, daß die Reaktionäre die Judenhetze nur inszenierten, um den Liberalismus tot zu machen. Von der „Freisinnigen Zeitung" wird übrigens den Deutsch-Sozialen empfohlen, „von ihrer Selbstüberhebung abzulassen und die Bescheidenheit zu lernen, die einer durch ganze sieben Mann im Parlament vertretenen Partei zukommt". Eine gewisse Bedeutung hat man aber dieser Siebenmänner-Fraktion dennoch beizumessen, auch wenn sie keineswegs ernstlich als der „Kern des Blocks" anzusehen ist, weil sie tatsächlich den Kern der sogenannten „wirtschaftlichen Vereinigung" des Reichstags bildet, die mit der starken Hilfe des kapitalkräftigen „Bundes der Landwirte" der konservativen Partei das Mandat für den Wahlkreis Emden- N o r d e n abspenstig zu machen sucht. Darüber entrüstet, erklärt die etwas spät über den zweifelhaften Wert der Bundesgenossenschast mit den antisemitischen Fraktionen aufgeklärte „Kreuz-Ztg.": „Die Wirtschaftliche Vereinigung ist gar keine Fraktion, sondern ein Verband politisch vielfach recht verschiedener Elemente, die allein der praktische Gesichtspunkt zu einer Gemeinschaft vereinigte, der parlamentarischen Vorteile, die Fraktionen von einer gewissen Stärke zustehen, teilhaftig zu werden. Sie einigt kein gemeinsames Programm, sondern nur ein bestimmter parlamentarischer Zweck, sie bilden also eine Art Zweckverband. Zu dieser Vereinigung zählen deutsch-soziale Antisemiten, christlich-soziale Abgeordnete, bayerische B a u e r n b ü n d l e r, ein Anhänger der braunschweigischen Rechtspartei, ein Mitglied, das im Abgeordnetenhause eine Zeitlang Hospitant der Ratio ualliberalen war. Man sieht: politisch ist die Wirtschaftliche Vereinigung weit davon entfernt, eines Sinnes