Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Zum 25. Stiftungsfest des "Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur"
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 152 (sequence 4)
- Language
- German
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152 Im deutschen Reich. Satzungsgemäß kann daher jeder Student der Berliner Universität Mitglied des Vereins werden. In möglichst objektiver Weise sucht er die Vergangenheit des Judentums, sowie die Denkmäler seiner Literatur seinen Mitgliedern Vorzufuhren; vorurteilslos werden dabei alle Ansichten gewürdigt. Sache des einzelnen ist es, auf Grund des objektiven Tatbestandes, der ihm geboten wird, sich selbst seine Ueberzeugung über die Bedeutung der Juden als eines Kulturfaktors für die Menschheit zu bilden und die Folgerungen für seine kulturelle unb religiöse Weltanschauung zu bilden. In seiner Mitte vereinigt der A. I. G. B. Mitglieder aus den verschiedensten Lagern des Judentums und aus allen vier Fakultäten der Universität; der politischen oder Glaubensüberzeugung des einzelnen wird niemals zu nahe getreten, da dies mit denr neutralen Boden der Wissenschaft unvereinbar sein würde. Unter solchem Zeichen hat der Verein seit nunmehr 2f> Jahren gearbeitet. Weit über 400 wissenschaftliche Vorträge aus allen Gebieten der jüdischen Geschichte und Literatur sind während dieser Zeit von bedeutenden Fachgelehrten, aktiven Mitgliedern und „alten Herren" des Vereins in seiner Mitte gehalten worden. Vielfach haben wissenschaftliche Geschichtskurse das Interesse für größere Abschnitte der jüdischen Geschichte waehgerusen. Daß die gegebenen Anregungerl möglichst vorhatten und die Freude am Selbststudium erhöhen, ist das besondere Ziel des Vereins. Mit beu bedeutendsten Fachgelehrten hat der A. I. G. B. irr stetiger Verbindung gestanderr. David Cassel, Immanuel Ritter, Heinrich Grätz, Joel Müller uub Moritz Lazarus waren seine Ehrenmitglieder, nnb haben beu Verein stets aufs eifrigste gefördert. Martin Philippsohn, Hermann Cohen und Gustav Karpeles zählt er heute zu seinen Ehrenmitgliedern. Mitglieder des Vereins waren es, welche die erste Anregung zur Gründling der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" gegeben haben. Der Parteien Haß lind Gunst entrückt, wird der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" seine bewährten Bahnen fortwandeln, freudig unterstützt von allen denen, die sich trotz der Unruhe unserer Zeiten den