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Im deutschen Reich · 1908-03-01 · Heft 3 (März 1908) · p. 151

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 3 (März 1908)
Article
Zum 25. Stiftungsfest des "Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur"
Date
1908-03-01
Page
151 (sequence 3)
Language
German
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Zum 25. Stiftungsfest des „Akademischen Vereins". 151 ihrer Vergangenheit ein ruhiger, sachlicher Standpunkt für die heutige Lage der Juden, ihr heutiges Denken und Fühlen gewonnen werden. Und daß die liebevolle Beschäftigung mit einem Gegenstand auch die Liebe zum Gegenstand selbst steigert, bedarf wohl keiner Erörterung. Zu gleicher Zeit bietet aber auch die Darstellung der jüdischen Geschichte an sich, ohne Rücksicht auf die für den einzelnen sich ergebenden Folgerungen, einen so interessanten Einblick in das Werden und die Entwicklung der menschlichen Kultur, sie zeigt so tiefe Wechselwirkungen zwischen Judentum und Christentum zu allen Zeiten nicht nur in religiöser Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher Beziehung, daß die jüdische Geschichte als eine Kulturwissenschaft allererste!: Ranges bezeichnet werden kann. Als solche ist sie zwar erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in die Erscheinung getreten (ich erinnere an Zunz und Abraham Geiger, an Heinrich Grätz und Ludwig Philippsohn); dafür hat sie aber in den letzten Jahrzehnten einen um so machtvolleren Aufschwung genommen. Auf jüdischer wie insbesondere auch auf christlicher Seite wird inii Energie daran gearbeitet, Licht in die vielfach noch rech: dunklen Pfade der Geschichte der Juden zu bringen. Die letztere Tatsache, daß vielfach christliche Gelehrte in hervorragender Weife die Wissenschaft des Judentunis gefördert haben, weist schon zur Genüge darauf hin, daß das Studium der jüdischen Geschichte sich ebenso wenig wie irgendeine andere Wissenschaft in enge konfessionelle Grenzen zwängen läßt. Da die Wissenschaft voraussetzungslos ist und nur e i n Prinzip hat: das der Wahrheit, so kann sie andere Zrvecke als diejenigen, die in ihr selbst liegen, nicht neben sich dulden. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hat daher in Erkenntnis dieser Tatsache von jeher politischkonfessionelle Ziele von seinen Bestrebungen ausgeschlossen. Er hat es stets abgelehnt, sich als wissenschaftlicher Verein in das politische Tagesgetümmel zn stürzen, und hat infolgedessen jede einseitige Stellungnahme in konfessioneller Beziehung vermieden. Nicht mit oder gegen Personen null der Verein streiten: die edlen Waffen der Wissenschaft und Aufklärung sind es vielmehr, mit denen er kämpft. Freiheit und Toleranz sind die Grundpfeiler des Vereins.

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