Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Zum 25. Stiftungsfest des "Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur"
- Date
- 1908-03-01
- Page
- 150 (sequence 2)
- Language
- German
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150 Hm deutschen Reich. auch auf die deutschen Hochschulen übertragen. Wie Pilze schossen die bewußt-antisemitischen „Vereine deutscher Studenten" aus dem Boden der universitas litterarum hervor. In dieser bewegten Zeit — es war am 22. Februar 1883 — trat an der Berliner Universität eine Gruppe jüdischer Studenten zusammen, welche „ihrer Anhänglichkeit zum Judentum durch Beschäftigung mit dessen Geschichte und durch Vertiefung in seine Literatur Ausdruck geben" wollte und gründete einen „Akademischen Verein für jüdische Geschichte mit* Literatur". Sollte diese Vereinigung einen dauernden Bestand haben, so mußte sie einen bestimmten Charakter annehmen. Sie tonnte entweder denjenigen Weg gehen, den die in den 00 er Jahren gegründeten „Vereine jüdischer Studenten" eingeschlagen haben, die ihre aktiven Mitglieder in den politischen Tagesstreit hinausführen und sie zu Mitkämpfern in modernen jüdischen Fragen machen, oder wie ihn noch etwas später die „Sprevia" und die mit ihr im K. C. vereinigten Kartellkorporationen betreten haben, die den Hauptwert auf die Pflege körperlicher Tüchtigkeit und Gewandtheit legen, um erforderlichen Falls die angegriffene jüdische Ehre auf der Mensur, beim blutigen Kampf der Waffen zu verteidigen und jüdischen Mut antisemitischer Großprahlerei mit Erfolg entgegenzustellen. Oder aber sie konnte den Pfaden der Wissenschaft folgen: der neu gegründete Verein ging diesen Weg. Er machte es sich zur Aufgabe, „die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur unter den Studenten der Berliner alma mater zu verbreiten". In dieser Aufgabe suchte und fand er seine Befriedigung. Denn aus zwei Gründen ist die Kenntnis der jüdischen Geschichte und die nähere Beschäftigung mit dieser Wissenschaft insbesondere für den Akademiker wünschenswert, ja, fast notwendig. Einmal läßt sich die Gegenwart immer nur aus der Vergangenheit heraus verstehen: eine Tatsache, die sich wohl mit ganz besonderem Nachdruck von der gegenwärtigen Stellung der Juden behaupten läßt. Nur aus ihrer so überaus eigenartigen Geschichte, die im Laufe der Zeiten die verschiedenartigsten Wandlungen durchmachte, die glänzende Höhepunkte neben weniger ruhmvollen Zeiten aufweist, kann ein einigermaßen objektives Bild, nur aus dem Studium