Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 113 (sequence 3)
- Language
- German
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Bereinsnachrichien. . 113 zeichrrete, ohne zn verhehlen, daß der nach Leasings Hin sch erden von Moses Mendelssohn und seinen Schülern und Freunden fortgesetzte Lessing-Kultus dazu geführt habe, daß die Erstlingswerke der großen Klassiker Goethe und Schiller nicht sofort die verdiente Anerkennung fanden. Trotzdem haben beide Dichter nach dem Tode Mendelssohns ihnr große Achtung gezollt. Wie als Jude und Deutscher war der Weltweise Mendelssohn auch als Mensch vorbildlich; er war im Sinne Goethes allzeit „edel, hilfreich und gut", und sein Schüler Karl Philipp Moritz konnte von ihm sagen, es sei niemals jemand von ihm ungebessert fortgegangen. Seine Weisheit und Milde, sein Bestreben, auch im Schlechten den Kenn des Guten zu entdecken, entzückte alle. Deshalb klagten Freunde und Feinde bei dem Hinscheiden des Juden, den damalige bedeutende Männer „eine Zierde Deutschlands" nannten. So hat er ein Denkmal wohl verdient. Ihm durch Massenverbreitung feiner Schriften ein geistiges Denkmal zu setzen, würde ihn nicht genug ehren, denn vieles in diesen Schriften würde heute nicht mehr den Eindruck erzielen, wie zur Zeit ihres Entstehens. Was er war, berechtigt zu dem Wunsche, ihn noch vor uns zu sehen, wie er war — kein schöner Mann, keine stattliche Figur, aber ein Kopf mit einem wunderbaren geistvollen Ausdruck, mit Augen, die so klar in die Welt, so tief in andere Seelen schauten! So wollen wir seine Büste vor uns sehen! Als er starb, sagte sein Freund und Arzt Markus Herz, er habe in dieser Stunde nur den Wunsch gehabt, mit ihm gemeinsam zu verscheiden, und viele seiner damaligen Bewunderer haben den gleichen Wunsch gehegt und in dem herben Verlust nur die Mahnung erblickt: „Geben ke z u st e r b e n!" Wir aber denken anders. Wir haben schon manches erfüllt gesehen, was der große Mann erstrebte; wir kämpfen weiter und zweifeln nicht an dem endlichen Siege des Rechtes und der Wahrheit. An uns ergeht die Mahnung: „Gedenke zu leben!" Wir sehen kein Weh darin, Enkel zu sein, sondern freuen uns, daß wir als Enkel noch zu der Hoffnung berechtigt sind, die goldene Saat zu ernten, die große Männer vor uns und für uns gesät haben. Als Juden wollen wir dem Juden, als Deutsche dem Deutschen., als Menschen dem guten Manne ein