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Im deutschen Reich · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Berlin
Date
1908-02-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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98 Jni deutschen Neich. liegt nicht bloß im Interesse der jüdischen Gemeinden, sondern des Staates in seiner Gesamtheit. Das ist oft genug von maßgebender Seite betont worden; hier ist eine Gelegenheit, diese Auffassung in die Tat zu übersetzen. — In der hier kürzlich abgehaltenen Generalversammlung der Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaftdes Judentums berichtete zunächst der Vorsitzende, Prof. Dr. Philippson, über das äußere und innere Erstarken der Gesellschaft, das in der stets anwachsenden Zahl der Mitglieder, sowie in den Veröffentlichungen der Gesellschaft zum Ausdruck komme. Er betonte dann aber auch die Notwendigkeit der Beschaffung weiterer Hilfsmittel, wenn die Gesellschaft ihren eigentlichen Aufgaben, der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiete jüdischer Forschung gerecht werden solle. Die Versammlung erteilte hierauf dem aus seinem Amte scheidenden Schatzmeister, Herrn Stadtrat I. Landsberger- Glogau, Decharge, wählte den bisherigen Ausschuß wieder und die Herren Dr. 2Jia£ Ginsberg und Max Beer zu Revisoren. In dem nun folgenden Vortrag entwickelte Herr Rabb. Dr. Porges - Leipzig ein äußerst interessantes Bild des nordfranzösischen Bibelexegeten Joseph Bechor Schor; er wies auf seine Bedeutung als Apologeten des Judentums hin, der eine Auseinandersetzung mit der christlichen Bibelauslegung nicht gescheut, vielmehr für seine Pflicht gehalten habe. Der Vortragende zeigte dann die Aufgaben, die dem modernen Judentum erwachsen und zu deren Lösung die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums vorzugsweise berufen sei: auf wissenschaftlicher Grundlage eine wirksame, zeitgemäße Apologetik zu schaffen und zu den Ergebnissen der modernen Bibelforschung Stellung zu nehmen. Der folgende Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Jul. Guttmann- Breslau ging aus von einer Schilderung der Beziehungen Kants zu jüdischen Kreisen und des von seiner Philosophie auf die gebildeten Juden seiner Zeit ausgeübten Einflusses, der die religiöse Entwickelung des modernen Judentums wesentlich bestimmt hat. Wenn Kant selbst dem Judentum in religiöser Beziehung ohne innere Teilnahme, ja selbst scharf ablehnend gegenüberstand, so gab sein Urteil über das Judentum in: wesentlichen die in letzter Linie auf Spinoza zurückgehende Anschauung der damaligen Zeitliteratur wieder, der er sich

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