Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-02-01
Page
93 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316769--17388-2339615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 93 Po lins che Programm des Herrn Amtsrichters nicht im Widerspruch. Aus dem vorurteilsfreieren Verhalten des Monarchen irgendwelche Schlüsse politischer Art zu ziehen, wäre völlig verkehrt; die Vorgänge bei der Tvcrhlrechtsöebatte im preußischen Landtage haben gezeigt, daß die Regierung es nicht für möglich hält, auf das Wohlwollen der Konservativen Zu verzichten, die durch die bisherigen Landtagswahlen die Klinke der Gesetzgebung fest in der Hand haben und sie erst loslassen werden, wenn der Wille der Mehrheit des Volkes sich bei künftigen Wahlen gegen ihre Bevormundung erklärt. Mit Programm reden oder mit Straßenkundgebungen wird nichts ausgerichtet. Auch das freisinnige Reichstagswahlrecht hat keinen hinreichenden Schutz gegen diese Bevormundung durch die agrarischen Konservativen und ihre antisemitischen Knappen gewährt. Die bürgerlichen Kreise, denen diese Bevormundung mißfallt, mögen sich zunächst vollständig vom Antisemitismus lossagen; nur der verdient Freiheit ii n d v o lles Recht, der diese G ü t e r allen andern Menschen gönnt! Kurz vor der Wahlrechtsdebatte schrieb die „Leipziger Abendzeitung": „Antisemitismus und Reaktion wachsen auf demselben Holz. Dies zeigt sich auch jetzt wieder an einem drastischen Beispiel. Der Autisemit und extreme Mittelstandsretter Fritsch-Leipzig leistet sich in seiner Zeitschrift: „Der Hammer" einen unglaublichen Ausfall gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht zur Verteidigung der sächsischen Wahlrechts- Vorlage. Er schreibt u. a.: „Die Schwäche der öffentlichen Wahlen liegt darin, daß die so gewählten Abgeordneten beständig auf die M affe n gun st spekulieren müssen. Das Schielen nach dem Stimmzettel wird zum wichtigsten Beweggrund für das Verhalten der Volksvertreter. Wieviel unnütze Reden in den Parlamenten könnten gespart werden, wenn nicht viele Abgeordnete das Bedürfnis hätten, sich vor ihrer Wählerschaft wichtig zu machen und dem Unverstand der Massen zu schmeicheln." Dazu bemerkt die „Leipziger Abendzeitung": „Und das will „volkstümliche" Politik treiben, will den Mittelstand „retten" und was der anderen Helden-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.