Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Bruhn und Harden
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 71 (sequence 3)
- Language
- German
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Bruhn und/Harden. 71 Fällen die Beschuldigungen nachträglich znrückgenommen worden sind. Andererseits ist hervorzuheben, daß das Untersuchnngsverfahren in einer Weise erschwert wurde, daß gerade dadurch die Entdeckung der Täter mißlungen ist, daß das Vertrauen zu Ben Behörden erschüttert wurde und daß in Könitz durch diese Hetzereien großes Unglück über zahlreiche Personen gekommen und eine Erregung hervorgerufen worden ist, daß auf Allerhöchsten Befehl Militär nach Könitz marschieren mußte, daß Existenzen gefährdet und Existenzen vollständig zerstört worden sind. Bei dem Angeklagten Bruhn ist zu berücksichtigen, daß er der Spiritus rector der g a n z e n H e tz e in a r, mtb daß er auch schon w egen A u f - r e i z u n g v e r s ch i e d e n e r B e v ö l k e r u n gskl a s s e n v o r b e ft ruft i ft." In der von fcom Landgerichtsdirektor Opitz verkündeten Urte i l s b e g r ü n d n n g wurde gesagt: „In allen Fällen sind Tatsachen behauptet, die die betreffenden Beamten und Privatpersonen in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen geeignet sind. Zunächst muß abgelebnt werden, daß den Angeklagten der Schutz des § 193 zur Seite steht. Die Pres s e h a t n a ch d e r b e k a n n t e n E u t s ch e i d it n g des R e i ch s g e r i ch t s n i ch t d a s R e ch t, a m w e n i g st e n b e i der Besprechung äffe n t l i ch e r A n g e l e g e n h e i t e n, die Ehre v o n P r i v a t p e r s o n e n oder Beamte n an zu tasten. Ein solches Recht kann auch durch die Parteistellung der Zeitung nicht hergeleiwt werden, konnte auch nicht in Frage kommen bei den Artikeln, in denen Bruhn und Dr. Bötticher für Hoffmann eingetreten sind. Wenn das Gericht auch als wahr unterstellte, daß Hoffmann dem Angeklagten Bruhn gesagt hat, er möge in der „Staatsbürger-Zeitung" auch seine Interessen'vertreten, kann doch aus dieser allgemeinen Ermächtigung nicht das Recht der persönlichen Vertretung des Hoffmann hergeleitet.werden; denn in dieser Weise könnte sich jede Z e i t it n g l e i ch t das Recht verschaffen, mit der Ehre der Mitmenschen willkürlich um zu gehen. Es ist auch in allen Fällen der Wahrheitsbeweis, den die Angeklagten angetreten haben, in keiner Weise, als geführt zu betrachten." Es heißt dann weiter in der Urteilsbegründung: „Es ist klar, daß eine derartige Ansstreuung weit über das Maß