Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- Neueste Geschichte des jüdischen Volkes [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 58 (sequence 3)
- Language
- German
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58 Iw deutschen Reich. jüdischen Theologie nur einen kleinen Teil des Buches. Der bei weitem größte Teil seiner Ausführungen ist der Erringung der staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden und der damit Z ffarnmenhängenden Ausnahme ihrer Gemeinschaft unter die staatlich anerkannten Konfessionen gewidmet. Selbstverständlich würde ein Ueberblick über die Grundzüge dieser Entwicklung uns hier viel zu weit führen. Dagegen dürfte es nicht überflüssig sein, die Leser daran Zu erinnern, daß sie aus dem vorliegenden Buche viele Tatsachen erfahren, deren Kenntnis bei der Verfolgung der Ziele des Central-Vereins von Nutzen ist. Namentlich ist wichtig, daß die Juden fast nirgends die dauernde Al fhebung der Zurücksetzungen und Bedrückungen, unter denen ihre Voreltern leiden mußten, gleichsam wie ein Geschenk ohne eigene Anstrengung erhalten haben; wenn auch die Hilfe gerecht denkender Christen viel zu der Gleichstellung unserer Glaubensgemeinschaft beigetragen hat, wäre sie doch nie ohne die mühevolle Tätigkeit erreicht worden, welche wir die Juden selbst in England, Frankreich und Deutschland zu diesem Zwecke entwickeln sehen. (S. 9, 24, .30, 100, 112, 125, 126, 240 ff., 266, 268, 286 re.) Außerordentlich viel haben dazu auch die Männer getan, welche die Hemmrisse beseitigten, die auf Seiten der Juden bei der Aushebung des Ghettos noch der Uebernahme aller staatsbürgerlichen Pflichten und der Möglichkeit einträchligen Zusammenwirkens zwischen den Israeliten und den Andersgläubigen entgegenstanden. (Vergl. S. 80, 81, 123, 124, 156 2c.) Denn nur dort hat der Erwerb des vollen Bürgerrechts ein dauernder werden können, wo die Juden Sprache und Kultur ihres neuen Vaterlandes annahmen. Zeigt uns so die Erkenntnis der Vergangenheit die Wege, die wir in der Gegenwart eiuzuschlagen haben, so lehrt sie uns auch, daß wir uns nicht durch die große unerwartete Reaktion entmutigen laffen sollen, welche seit den achtziger Jahren unsere gesellschaftliche und politische Gleichstellung gefährdet und mindert. Gerade die Geschichte der Judenemanzipation zeigt, daß jeder Fortschritt gegen Jahrhunderte alte Institutionen und Anschauungen sich nur unter Reaktionen vollzieht, die das schon Erreichte wieder in Frage zu stellen scheinen und einen Teil desselben für eine Zeit rückgängig machen. An solchen Erscheinungen hat es weder in England noch in Frankreich, weder in Italien noch in den Niederlanden, also gerade in den Ländern gefehlt, welche in den