Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- Neueste Geschichte des jüdischen Volkes [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 57 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 57 zugleich wissenschaftlich und gemeinverständlich geschriebenes Wer? über die Geschichte der Juden in der „Neuesten Zeit" erscheint, von dem schon der erste Land vorliegt. Es bildet einen selbständigen Teil des „Grundrisses der Geiamtwissenschaft des Judentums", das die außerordentlich verdienstliche Gesellschaft herausgibt, welche sich die Förderung der Wissenschaft unserer Glaubensgemeinschaft zum Ziel gesetzt hat. Sie hat auch den richtigen Mann für die schwierige Arbeit gesunden, Professor Br. Martin Philippson. Denn dieser Gelehrte hat nicht nur durch Zahlreiche Publikationen bewiesen, daß ihm die umfassende Kenntnis der allgemeinen Geschichte und die Beherrschung der Methodik eignet, welche für ein derartiges Unternehmen unerläßlich sind, sondern er hat auch einen wichtigen Teil der hier in Betracht kommenden Zeit miterlebt, und zwar an einer Stelle, die ihm vielfach persönliche Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse verlieh. Durch seinen Vater Ludwig Philippson, den Schöpfer der modernen Formen des jüdischen Gottesdienstes und den Begründer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", des ältesten Organs der jüdischen Publizistik, ist ihm die ganze Zu schildernde Entwicklung vertraut. Dazu kommt Philipvsons Tätigkeit als Letter bezw. Milleiter von drei der wichtigsten Verewigungen der deutschen Israeliten: des Verbandes der Deutschen Juden, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Vereins Zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. In diesen Stellungen hat er gezeigt, daß er die Vertreter der verschiedensten Richtungen innerhalb des Judentums zu würdigen versteht. So finden wir in dem Bache die theologischen Kämpfe, welcbe die Judenheit in der von ihm behandelten Zeit erfüllen, mit Verständnis und Wärme, aber auch mit Gerechtigkeit dargestellt. Ohne daß Philippson seine eigene Parteistellung verdeckt, hebt er die Verdienste Akiba Egers, des letzten großen Vertreters der Altorthodoxie, Samson Raphael Hirschs, des Begründers der Neuorthodoxie, und andererseits diejenigen Abraham Geigers, des Leiters der radikalen Richtung der Reform, hervor. Besonders warm aber wird natürlich die durch Philippsons Vater begründete „Richtung der gemäßigten Reform" geschildert, „die das Alte mit Pietät behandelte und nur in soweit darauf verzichten wollte, als es mit den Forderungen der Vernunft und des modernen Empfindens unvereinbar war." Indessen bildet die Besprechung der Entwicklung der