Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 35 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 35 seinerzeit den Bürgermeister Lueger, der einem Katholikenkongreß präsidierte, wissen lassen: Seine guten Wünsche für die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft seien ihm Zwar sehr angenehm, nicht so indessen seine antisemitischen Bestrebungen, die auf einen „Bruderkampft (lotta fratricida) hinzielten. Die Erwählung Nathans zum Bürgermeister Roms und die Erinnerung daran, daß der Jude Ottolenghi zeitweilig an der Spitze der italienischen Armee stand, bringen die österreichischen Antisemiten förmlich zum Rasen. Das Wiener „Demsche Volksblatt/ wütet: „Bei dem nächsten Kriege wird diese Judenwirtschaft hoffentlich ihre Früchte Zeigen. Uns Oesterreichern kann es nur erwünscht sein, obwohl sich auch ohne die Folgen der Verjudung ein zweiter österreichischer Radetzky finden würde/" Am Antisemitismus wird aber der Dreibund so wenig scheitern, wie der antisemitische Bürgermeister Wiens bisher dieser Stadt oder Oesterreich Segen gebracht, oder die antisemitischen Generale Rußlands, die Port Arthur ohne Not Zur Uebergabe brachten, sich den Japanern gegenüber mit Ruhm bedeckt haben. Der Staat, der sich von den Antisemiten nasführen läßt, wird keinem äußeren Feind, sondern sich selbst schaden! Selbst unter den konservativen Mitgliedern der dritten Duma, des letzten Versuchs aus parlamentarischem Wege in Rußland die Selbstherrschaft des Zaren in etwas gemäßigter Form aufrecht zu erhalten, trägt man Bedenken, sich auf den Standpunkt des antisemitischen „Verbandes der echtrussischen Leute"" zu stellen, der überhaupt von einem verfassungsmäßigen Regiment in Rußland nichts wissen will. Der Vertreter dieser Richtung in der Duma, Purschkewitsch, kann höchstens auf die Zustimmung der kleineren Hälfte der Rechten rechnen. Als erste Vorbedingung der ersprießlichen Tätigkeit der Duma betrachtet der linke Flügel der Rechten die Beruhigung des Landes und die Stärkung der Autorität der Regierung. Wenn diese russischen Konservativen auch nur in wenigen Punkten sich zu Zugeständnissen an die Forderungen der liberalen Parteien bereit erklären, erkennen sie doch die Notwendigkeit der Gerichtsresorm und der Schaffung der Unabhängigkeit der Justiz an. Sie verschließen sich auch nicht der Erkenntnis, daß die nichtrussischen Völkerschaften in Rußland vielen überflüssigen Belästigungen und Be-