Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 34 (sequence 13)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 34 Präsidenten Kral, des Geheimen Justizrates Professors v. Liß L, des Hofrates Dr. Max Burckhard, wer vollends angesichts des verdienstvollen Qu llenwerkes, das der Berliner Anwalt Dr. Artur Nußbaum über den Fall Hilsner veröffentlichte, Hilsner noch immer für schuldig hält, der ist ebm nicht zu überzeugen. Der brüllenden Meute besessener Rechlsvandalen ist nun einmal mit Vernunftgründen nicht beizukommen, und wer seinen Glauben an die Menschheit nur durch den Glauben an den Ritualmord der Juden stark zu erhalten vermag, der soll in Gottes Namen auch weiterhin Hilsner für einen Ritualmörder halten." Den „Geschästsantisemiten" an der Donau ist es natürlich gleichgiltig, wie man in andern Kulturstaaten über die Verheerung denkt, die sie in der österreichischen Rechtspflege durch ihre widerwärtigen Parteispekulationen angerichtet haben. Die jüngst erfolgte Wahl eines Juden zum Bürgermeister der Hauptstadt Italiens ist ein beißendes Pasquill auf die Antisemitenwirtschaft in Wien. Die Erhebung Ernesto Nathans, eines früheren Großmeisters des italienischen Freimaurerbundes, ist ein Triumph nicht etwa des Judentums, sondern des liberalen Gedankens, der Gewissensfreiheit und Menschenwürde. Nicht weil Ernesto Nathan Freimaurer und Jude ist, haben ihn 60 römische GemeinderatsmiLglieder gewählt, sondern weil er ein Mann von eatonischer Rechtlichkeit und unantastbarer Reinheit der Lebensführung ist, weil er, der als Zögling Mazzinis sich früher zu republikanischen Anschauungen bekannte, sich rückhaltlos zu der Ansicht bekannt hat, daß die jetzige streng verfassungsmäßige und parlamentarische Regierung in monarchischer Form für Italien das heilsamste Regiment darstelle. Wie versichert wird, bemerkte der Papst bei der Nachricht von Nathans Wahl: „Wenn er kein Freimaurer wäre, wäre er besser als alle anderen". „Aber er ist Israelit," warf der Sekretär ein, woraus Pius X. erwiderte: „Schadet nichts, er ist ein Ehrenmann!" Uebrigens kannte Papst Pius Ernesto Nathan schon von seiner venezianischen Zeit her und schätzte ihn — trotz der religiösen und politischen Gegensätze — als Charakter sehr hoch. Ueberhaupt wäre es ganz und gar verfehlt, Pius X. für einen Antisemiten zu halten. Auch Papst Leo Xlll. soll davon weit entfernt gewesen sein; von ihm berichtet der „Secolo", er habe