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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 32

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-01-01
Page
32 (sequence 11)
Language
German
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32 Im deutschen Reich. über preußische Minister unvergessen ist, erntete damals in der vom Freiherrn v. Manteuffel-Crossen geleiteten Tivoli-Versammlung stürmischen Be-fall durch den Ausspruch: „Das Fähnlein des Antisemitismus darf die konservative Partei nicht eher wieder herunterholen, als bis die Juden so klein geworden sind, wie sie heute groß sind!" Noch hat die konservative Partei das antisemitische Fähnlein nicht heruntergeholt, obgleich sie wiederholt mit den radikalen Antisemiten, insbesondere bei den Wahlkämpfen, die mißlichsten Erfahrungen gemacht hat und gar oft geschoben wurde, wo sie Zu schieben glaubte. Der Tag ist aber sicher nicht fern, wo selbst innerhalb der konservativen Partei sich die UeberZeugung Bahn brechen wird, daß der Antisemitismus nur die Massen unzufrieden macht und als Vorfrucht des Anarchismus weit gefährlicher als die Sozialdemokratie wirkt. Von dem Tivoli-Tage an versuchten es die Konservativen ohne besondere Erfolge, mit dem Antisemitismus die Sozialdemokratie niederzuhalten; sie benutzen damit eine zweischneidige Waffe, die zuletzt die Hand verwundet, die sie führt. An der Entwickelung der christlich sozialen Partei in Oesterreich kann man beobachten, worauf schließlich die antisemitische Bewegung immer hinausläuft. Man fängt mit den Juden an, und wenn dieses Satyrspiel nicht mehr zugkräftig ist, befehdet man das liberale Bürgertum und gelangt schließlich zu Vorstößen gegen alle Gebildeten und .Besitzenden, auch gegen Großgrundbesitzer und Hochadel. Solange die antisemitische Wühlarbeit sich nur gegen die Juden richtet, lachen sich die anderen ins Fäustchen, aber zuletzt können sie sich doch über den Ernst der Lage nicht länger täuschen. Der antisemitische Bürgermeister Wiens, Dr. Carl Lueger, mußte erst die Männer der Wissenschaft öffentlich verletzen, ehe diese selbst über die Ziele der Leute klar wurden, die das Fähnlein des Antisemitismus hoch halten, auf dem, nur nicht sichtbar genug, die Worte Mephistos stehen: «.Verachte nur Vernunft und Wlssenschaft, dann hat? ich dich schon unbedingt!" Schon der Vorstoß Luegers gegen die Aerzte und besonders gegen das Impfen lieferte den deutlichsten Beweis für das rückständige, rückschrittliche und hetzerische Treiben der Vorkämpfer des Antisemitismus, Die Wiener Aerztekamwer, sowie sämtliche Aerzte Wiens nahmen sofort Stellung gegen die

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