Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 31 (sequence 10)
- Language
- German
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31 wo man es nicht für möglich halten sollte, wohl verstehen Wenn die Antisemiten in der Ostmark von der Regierung auch keine Unterstützung verlangen wie andere Parteien, so verlangen sie von ihr wenigstens Unparteilichkeit gegenüber ihrer parteipolitischen Arbeit." — So bescheiden sind die Antisemiten weder in der Ostmark noch irgendwo jemals gewesen, vielmehr war und ist ihre RegierunasfreundlichkeiL stets dieselbe wie Zu den Zeiten der vor 45 Jahren glücklich überwundenen Reaktion: „Und der König absolut — wenn er uns den Willen tut!" Daß die Könige von heute selbständiger sind als ehemals, den Gedanken einer „Kamarilla" oder Nebenregierung mit Abscheu von sich weisen, daß sie Fühlung auch mit solchen Männern suchen, die nicht nach Pfründen oder äußeren Ehren streben, die keine Höflinge sind uns selbst am opulentesten „Frühstückstische" ihre schlichte bürgerliche Sinnesart bewahren, Lut dem monarchischen Staatswesen wahrlich keinen Schaden. Wenn die konservative Partei fähig wäre, daraus eine Lehre Zu Ziehen, hätte sie längst ihr Programm Zeitgemäß abgeändert; sie würde es, wenn auch ungern tun, wenuder leitende Staatsmann, dem Beispiele Bismarcks folgend, ihr mit der erforderlichen Energie klar machen wollte, daß sie in der „Fronde" und in der Verbrüderung mit Len Christlich- SoZialen Stöckers und den Deutsch-Sozialen Liebermanns weder eine Stütze der Regierung sein, noch von ihr unterstützt werden könne, daß die Partei ohne Benutzung des landräUichen Verwaltungsapparats früher oder später der Ohnmacht verfallen müsse. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß aus diese Partei das längere Verharren iw Block erziehlich wirken und sie Zu einer Geschmacksrichtung zurückführen wird, die ihrer würdiger ist als jene, die sie sich s. Z. aueiguete, um das Programm Ahlwardts in wenig verfeinerter Fassung dazu Zu benutzen, die Massen für sich zu gewinnen. Am 8. Dezember waren 15 Jahre verflossen feit jenem denkwürdigen Tage, an dem im Twoli-Saale am Kreuzberg in Berlin die Deutsch-Konservativen unter dem Segen Stöckers und mit den Krastsprüchen des schneidigen Herrn v. Diest-Daber sich über ein neues reaktionäres Programm einigten, in dem Zwar „antisemitische Ausschreitungen" mißbilligt, aber der kulturwidrige Antisemiiismus selbst zum konservativen Dogma erhoben wurde. Derselbe Herr v. Diest-Daber, dessen bedenklich an Götz von Berlichmgen erinnernde Aeußeruna