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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-01-01
Page
30 (sequence 9)
Language
German
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30 Irr; deutschen Reich Willen Zeigt, sich gegen den Terrorismus der „Judenhetzerclique" aufzulehnen. Umsonst hat die Regierung dem mächtig anschwellenden Polonismus gegenüber sich in den Ostmarken des „alldeutschen" Elements bedient, um die deutschfeindliche Bewegung einZudämmen, umsonst sich auf manche „Alldeutsche" gestützt, die bewußt oder unbewußt in der Provinz Posen dadurch Zu Schrittmachern der Antisemiten wurden, daß sie den gut deutsch empfindenden jüdischenBewohnern den Aufenthalt in denOstmarken verleideten und sie veranlaß!en, den nachrückenden Polen den Platz zu räumen. Bei dem geringsten Anzeichen, diesen Irrweg nicht weiter Zu verfolgen, wird der Regierung jetzt von den Antisemiten entgegengerusen: „Jüdisch ist Trumpf in der Ostmark!" So haben die'„Deutsch-sozialen Blätter" ihren Leitartikel vom 27. November überschrieben, und was sie dabei sagten, haben die Stöcker-Organe ihr sofort gläubig uachgebetet: „So sind unsere Regierungskreise. Dem Judentum wird in der Ostmark in jeder Beziehung entgegengrkommen. Man muß sich ja die Freundschaft dieser Herren, uw die Ostmarkenpolüik durchführen Zu können, warm halten.' Da ist es immerhin besser, durch einen „Druck von oben" die deutschen Kreise einzuschüchtern — also eine Gewaltspolitik zu treiben — als um Gottes willen nur nicht den Herren Levp- und Aronson vor den Kops Zu stoßen. Diese Herren könnten ja dann das Polentum unterstützen, was bei dem christlichen Deutschtum in der Ostmark ausgeschlossen ist, wenn man es auch durch einen „Druck von oben" in Beziehung auf antisemitische Regungen ärgerlich stimmt. Daß durch einen „Druck von oben" jede gesunde demsche Bewegung, die nicht einmal antisemitischen Ursprungs ist, bekämpft wird in der Ostmark, zeigt uns auch die Bromberger Stadlverordnetenwahl. Schmerzlich empfunden wird es in weiten Bolkskrerstn, daß zwei unabhängige, notorisch reiche Männer, Regierungspräsident v. Guenther und Regierungsrat Büdding, nicht die Liste des Bürgerverems, sondern die Judenliste wählten. — Daß dann die ostmärkischen Juden übermütig werden und das christliche Deutschtum in der Ostmark, wie es der freisinnige JustiZrat Placzek in Posen tat, vor den Kopf stoßen, kann man bei solcher Politik der Begünstigung des Judentums aus Kreisen heraus.

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