Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 29 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau 2-y die deutsch-sozialen Antisemiten und die antisemitischen Reformer, wenn sie sich bei der Mandaijigd noch so sehr zerzausen mögen, bei Ausfällen gegen die Juden sich immer wieder zusammenfinden, daß aber auch beider Sehnen und Trachten aus die Kamarilla-Wlrtschaft hinausläuft, die einst zu jener Erniedrigung Preußens führte, die erst durch die liberale „Neue Aera" überwunden wurde. Die „Deutsch-sozialen Blätter" Liebermanns haben neuerdings diesem wenig monarchischen Sehnen folgenden unverblümten Ausdruck gegeben: „Ein Unglück für Preußen ist die Existenz und das Walten jener Judenclique mit ihrem Schwanz von läppischen und albernen KU.ffern, die täglich durch Wort und Schrift und Bild die Axt an die Wurzel deutschen Wesens legt! . . . Wie aus Rolands Horn möchte ich einen Ruf an die edlen, treuen Männer in Preußen ergehen lassen, sich um mrch wie treue Lehensmänner zu scharen und die kleineren Uedel für das Heranwachsende, große, jammervolle schwere Uebel zu vergessen . . .1* So schrieb König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in einem Briefe an den General Graf Dohna. Obgleich die Judenclique wohl immer sich gleich geblieben ist, die Könige denken heute and ers." — Wenn es auch den antisemitischen Schleppenträgern der Reaktion nicht paßt, für Preußen und für Deutschland ist es ein Glück, „daß die Könige heute anders denken." Dadurch ist im Widerspruch mit dem veralteten Legilimirätsprinzip Preußen durch Annexionen groß, und der König von Preußen deutscher Kaiser geworden. Nicht ohne Grund hat Fürst Bismarck, der bei seinem König die Bedenken beseitigte, die dessen Bruder unter dem Emfluß der Dohna, Gerlach und Konsorten zur Ablehnung der Kaiserkrone veranlaßt hatten, das Bild Uhlands in sein Zimmer gehängt. Das mußte ihn an dessen prophetischen Worte mahnen, daß der deutsche Kaiser mit einem Tropfen demokratischen Oeles gesalbt werden würde. Auch bei dem jetzigen Reichskanzler ist, wie seine Reichstagsrede bewiesen hat, jene Prophezeihung nicht ohne Nachwirkung geblieben. Auf mehr als Zeinen Tropfen" hat man wohl selbst zurzeit des Völkersrühlings kaum gehofft; auf mehr ist auch jetzt nicht zu rechnen, aber der Tropfen ist für die Dunkelmänner und Rückschrittler ein Wermuthstropfen; darüber läßt ihr Gekläff kerne Zweifel aufkommen, sobald die Regierung von Zeit zu Zeit etnmal den