Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 28 (sequence 7)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 28 diese „einseitigen Verallgemeinerungen" eine „antisemitische Eigentümlichkeit" sind? Hat nicht diese antisemitische Seuche zum Nachteile der Juden und der gesamten sirtli ch en Kultur in erschreckender Weise ebenso um sich gegriffen, wie die Verrohung des Umgangstones durch die Antisemiten und der Geschmock an gemeinen, witzig sein sollenden Judenverhöhnungen in solchen Kreisen, die doch ehemals derartiges als wenig vornehm mit Verachtung von sich gewiesen haben? Als der Abg. Liebcrmarm v. Sonuenberg bei der Etatsberarung im Reichstage die seiner Meinung nach geistreiche Bemerkung machte, „man solle die Homosexuell« n nach den Kolonien schicken und ihnen kräftige Waschweiber mitgeben, man solle nicht mehr vom Harden-Pro;eß, sondern nur vom Wild kowsky-Prozeß sprechen, als er über die „jüdische" Dreistigkeit des bekanntlich längst aus dem Judentum ausgeschiedenen Rechtsanwalts Bernstein witzelte, da erweckten diese Geschmacklosigkeiten den lebhaften Beifall gewisser „vornehmer" Parlamentarier, und das Leiborgan dieser Kreise, die alldeutsche „Tägliche Rundschau", hielt sich für verpflichtet, sich nachträglich für den .frischen Fanfarenton" des deutsch-sozialen Zirkusredners zu begeistern. Dank hat sie dafür nicht geerntet, weil ihr bald darauf eine Aeußerung über Liebermann v. Sonuenberg entschlüpfte, die ihrer wahren Empfindung wohl mehr entsprach. Der alte „Rufer im Streit" erklärte zu Beginn der Budgetkommissions- Sitzung, einen verletzenden Angriff der „Täglichen Rundschau" zurückweisen zu müssen. Dem Blatt war es nämlich eingefallen, von „Hanswurstereien eines allen Parlamentariers" zu reden, desselben, den es unzählige Male als Patrioten gelobt hatte. Liebermann har übrigens mit seinen parlamentarischen Judenwitzen Schule gemacht, da sein Parteigenosse, der Amtsgerichtsrat Lattmann, bei einer Polemik geg^n den Abg. vr. David um den Beifall des Lrebermannschen Auditoriums dadurch buhlrs, daß er etwas von dem „Volke Davids" einfließen ließ. Eme ähnliche Aeußerung hatte schon einige Tage vorher der Wortführer der antisemitischen Reformpartei, Oswald Zimmermann, in seiner Eratsrede gemacht, als er gegen die Werber für ein „Heine-Denkmal" eiferte, die unter sich Leute hätten, „die unter den Strahlen der höfischen Sonne sich wohl fühlen, die ihre Füße unter die Frühstückstijche des Kaisers stecken." Solche Malicen zeigen deutlich, daß