Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 24 (sequence 3)
- Language
- German
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24 Im deutschen Reich. Glaubens, weil deren Intelligenz vom Staate schon jetzt bereitwilligst nutzbar gemacht wird, wenn sie nur mit der genügenden Dosis Gleichgiltigkeit gegen den sittlichen Wert einer bekenntnistreuen, religiösen Ueberzeugung gepaart ist. Werden besonders bei der Verwaltung die höheren Stände vorzugsweise bedacht, dann bedeutet dies nicht nur eine Verschärfung der sozialen Verhältnisse, sondern es ist dies auch für den Staat selbst von unermeßlichem Nachteile; denn damit beraubt er sich zweifellos der Mitarbeit vorzüglicher Kräfte und schafft Sinekuren für die Mittelmäßigkeit. Schon vor hundert Jahren hat Jean Paul gesagt: „Wenn man berechnet, wie viele talentvolle Kinder man in Dorf- und Stadtschulen antriffr, so sieht man sich Zwanzig Jahre später im Staate erstaunt und vergeblich nach diesen genialen Torfköpfen inKollegien, Regimentsstäben und auf ander n hohen Stellen um; — bloß die Minderzahl der höheren Stände versorgt mit Talenten den Staat notdürftig; und die Dorfgenies verlieren sich in die Scheunen, Kasernen und Handwerksstätten. Kein Schatz wird so verschwendet als der, den der Himmel aus der Volkstiefe aufschickt." Die Zu einer Verbesserung dieser Verhältnisse unerläßliche Reform des Schulwesens ist auch eine dringende Forderung des Liberalismus, die durch das Zusammenhalten der Blockparteien aller Wahrscheinlichkeit nach eher Erfüllung finden kann als bei einer etwaigen konservativ-klerikalen Paarung, zu der anscheinend die kürzlich begründete „Deutsche Vereinigung^ die Vorstufe bildet. In dem von zahlreichen angesehenen evangelischen und katholischen Männern Unterzeichneten Aufruf dieser Vereinigung wird zwar betont, daß es sich um keine Parteibildung handle, sondern nur um einen Zusammenschluß von Angehörigen der verschiedensten Parteien zum Zweck friedlicher Verständigung unter den christlichen Konfessionen. Die ^Staatsbürger Zeitung" scheint aver doch über ein weiteres Ziel der Vereinigung unterrichtet zu sein, da sie darüber sagt: Jßeife und allmählich bahnt sich ein christlichnationaler Block, nach dem holländischen Vorbild, in Deutschland an: jener Block, den Bismarck in seiner letzten Reichstagsrede am 18. Mai 1889, als letztes Mahnwort des „ölten Herrn", forderte: er schloß in den Block das Zentrum ein, die Freisinnigen aber aus." Die Notablen-Erklärnng, hinter der als treibende Kraft der