Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- Die Ehre und das Judentum
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 16 (sequence 16)
- Language
- German
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IM deutschen Rerch. 16 man kann nicht die Leistungen Einzelner lobend yervorheben und die Gesamtheit, zu denen diese Einzelnen gehören, zurücksetzen. Unsere Anerkennung ist, darum unausbleiblich. Sehen wir dieser Zeit besserer Einsicht im vollen Bewußtsein unserer Würde entgegen! Schütteln wir den noch etwa vorhandenen Ghettostaub, der unsere Würde beeinträchtigen konnte, von der Seele! Schlimmer als der ehemalige gelbe Fleck am Gewände ist der gelbe Fleck der Gesinnung. Gesinnungstüchtigkeit muß es unter allen Umständen verschmähen, durch Preisgabe innerer Güter äußere einzutauschen, vorenthaltene Stellungen zu erlangen, vorenthaltene Rechte zu erwerben. Denn höher als alle Würden und Ehren stehen die Würde und die Ehre! Bei aller Pflege der inneren Ehre, bei der Hebung und Kräftigung unseres Eigenwertes haben wir die Pflicht, auch den Namen Jude zu Ehren zu bringen. Als Einzelner, soweit es sich um die eigene Person, um die eigenen Leistungen handelt; auf die Niedrigkeit der Gesinnung von der Höhe der Verachtung herabzuschauen, ist eine Tugend, ein Beweis wohltuenden Selbstgefühls. Aber als Gesamtheit Verunglimpfungen und besonders Rechtsbeugungen gegenüber vornehmes Stillschweigen zu beobachten, wäre sträflicher Leichtsinn, unverzeihliche Schwäche, kurz ein schwerer Fehler. Kein Zweig unserer Literatur ist so vernachlässigt und so armselig wie der apologetische. Im Bewußtsein unserer inneren Ueberlegenheit ließen wir unsere Gegner schreiben und reden, schalten und walten, wie sie wollten. Hätten wir früher nicht so lange untätig die Arme verschränkt, es wäre vielleicht mit der moralischen Brunnenvergistung nicht so weit gekommen. Liebe läßt sich nicht erzwingen, wohl aber Achtung. Es giebt ein Gebiet, wo wir nicht erst an den Ausgang zu denken brauchen, um anzufangen, nicht erst des Sieges gewiß sein müssen, um mit freudigem Mute unsere beste Kraft daran zu wenden. Wo es sich um die Ehre unserer Gesamtheit handelt, da bedeutet der Kampf an sich schon einen Erfolg, da ist die Richtung des Strebens schon durch das Ziel geadelt. Ist es ein Gebot: tue Recht, so ist es nicht minder ein Gebot: dulde kein Unrecht! Darum ist Abwehr eine sitt