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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Die Ehre und das Judentum
Date
1908-01-01
Page
13 (sequence 13)
Language
German
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Die Ehre und das Judentum. 13 alter der „Umwertung der Wertes So ist denn zu hoffen, daß die Welt die jüdischen Ideen sich noch ganz zueigen machen wird und die Menschen das Leben in großem Srile ausfassen und führen werden. Das Schmählichste ist, das Leben zu verkaufen, aber das Rühmlichste, es Zu verschenken! Dit Ehre und die Rechtsgleichheit sind ein allgemeines Menschheitsgut, die Harmonisierung der äußeren und inneren Ehre und das Ideal der wahren Ehre, diese Verkündigungen bilden ein Dreigestirn, das am Horizont des Judentums leuchtet. Der Lehre entsprach auch das Leben der Juden, die stets nach Ehre rangen. Dies geht schon aus unfern Gebeten hervor. Zur vergleichenden Beurteilung der Bekenntnisse zieht man gewöhnlich nur ihre Religionsbücher heran. Aber nicht minder angezeigt wäre es, auch die Gebetbücher zum Maßstabe der Anschauungen und Gesinnungen zu machen; denn in der trauten Zwiesprache mit dem Schöpfer offenbart sich all das, was das innerste Innere einer Glaubensgemeinschaft bewegt. Ehe der Jude an sein Tageswerk geht, bringt er wiederholt die Bitte vor: „Laß uns, o H?rr, nicht zu Schanden werdenl" Nach vollendetem Mahle fügt er seinem Danke hinzu: „Allbarmherziger! Gib uns unser täglich Brod in Ehren l* Und an den drei höchsten Festen fleht Israel auf dem ganzen Erdenrunds: „Verleihe, o Ewiger, Ehre Deinem Volke!* Schon in der Urgeschichte machte der dritte Erzvater seinen Söhnen den Vorwurf: »Ihr habt uns in Verruf gebracht!" Und in der ägyptischen Knechtschaft erhoben unsere Väter gegen ihre Führer denselben Vorwurf. Selbst im tiefsten Elend hüteten sie eifersüchtig den guten Namen als köstliches Kleinod. Zu dieser Gesinnung gesellte sich eine innere Freiheit, mit Jedem im Tone der Gleichheit und Offenheit zu sprechen. Dies hat kein Geringerer, als der deutsche Klassiker Johann Gottfried Herder anerkannt. Er sagt: „In manchem Betrachte ist der Jude ein schärferer Ehrenwächter, als der Christ es sein kann. Diesen drückt gewöhnlich die Würde seiner Vorgesetzten und der höheren Stände wie Blei und Eisen zu Boden, daß er kaum ausrechtftehen, geschweige gerade sehen kann, indem von Kindheit auf seine Begriffe über Stand und Ehre verschoben und irre gemacht wurden. Nicht also der Jude. Da er die Schwächen und Geheimnisse aller kennt, lernt er auch alles richtig schätzen und

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