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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 6

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Die Ehre und das Judentum
Date
1908-01-01
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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—Im oeu^ctzeu mercy. nennen, ist nur der Schatten, den wir werfen, wenn die Sonne der öffentlichen Achtung uns Lescheint." *91mt liegt es iw Wesen der sogenannten Ehre" — so fährt er fort — »daß sie nur von wenigen, von einew Häuflein Halbgöttern besessen werden darf. Denn sie ist ein Luxusgesühl, das in dew Maße an Wert verliert, in dem der Pöbel wagt, es sich anzueignen." Darum klagt auch Robert, der Held aus dem Hinterhäuser »Ich kann mir den Luxus nicht gestatten, sowas wie Ehre zu haben. Man kann sie mir stehlen, wie man mir wein Portemonnaie stiehlt; dagegen ist man wehrlos. Sie ist gerade gut als Spiegel für Lasten, als Spielzeug für die Müßiggänger, als Parfüm für die Anrüchigen." Dagegen läßt Sudermann die innere Ehre vollauf gelten, die er, ohne sie zu nennen, begeistert schildert. Sie ist »ein Gemisch aus Scham, Takt, Rechtlichkeit und Stolz. Das, was du dir durch ein ganzes Leben voll guter Gesittung und strenger Pflichttreue anerzogen hast, kann dir ebensowenig genommen werden, wie etwa deine Herzensgüte, oder deine Urteilskraft. Entweder sie ist ein Stück von dir selbst, oder sie ist garnichts." Als die eigene Meinung Sudermanns geht hervor: wer pflichttreu arbeitet, brav und anständig ist', der braucht keine andere Ehre, als die, die er vor seinem eigenen Gewissen hat, und diese Ehre ist durch andere unverletzbar. — So wenig wie bei den Denkern, herrscht auch bei den Dichtern eine Übereinstimmung über die Schätzung des Wertes. Sowohl im Spiegel der Dichtung, wie^ im Lichte der Vergangenheit und Zum Teil auch der Gegenwart erscheint die Ehre als ein Gut, das nur gewissen Menschengruppen zuerkannt wird. Aus der bisherigen Betrachtung geht ferner die Tatsache hervor, daß »Ehrstellung und Rechtsstellung in Wechselwirkung" stehen. Die richtigste und tiefste Auffassung über die Ehre hat das Judentum. Im Gegensatz Zur Antike und im Gegensatz Zum Mittelalter lehrt es auf Grund der biblischen Schöpfungsidee: jedem Menschen, ohne Unterschied und ohne Ausnahme, wohnt eine Würde inne; sie ist ihm angeboren und bildet einen unzertrennlichen und unzerstörbaren Teil der menschlichen Persönlichkeit. Nicht dieser oder jener Kreis, sondern das Individuum als solches, ohne Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung, ohne Rücksicht auf die Geistesgaben, ist Träger der Ehre. Durch diese Botschaft von dem ewigen, unveräußerlichen

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