Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Die Ehre und das Judentum
Date
1908-01-01
Page
3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316766-2316768-2339356--17230-2339422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Ehre und das Judentum. verhalten sich ihr gegenüber ablehnend, Cyniker und Genies. Wie eine Bank, die berechtigt ist, PapiernoLen als Anweisung auf BaarZahlungen in Verkehr Zu bringen, nur soviel Noten herausgeben darf, als dafür volle Deckung im Goldbestände der Bank vorhanden ist und wie jede Mehrung und Minderung des Goldbestandes den Wert der Papiernoten beeinflußt, so sollte auch die äußere Ehre der volle Wertausdruck für das Edelmetall des Innern und nur die Mehrung oder Minderung dieses Edelmetalls sollte maßgebend für die Wertbestimmung sein. Aber wie selten wird dieser JdealZustand erreicht! Aeußere und innere Ehre decken sich gar häufig nicht, und aus diesem Mißverhältnis geht mancher Bruch und manche Zerrissenheit im Leben hervor. In der Philosophie befaßt sich mit dieser Frage die älteste Ethik von Aristoteles und die jüngste von Cohen. Der Weise von Stagira läßt diesem Problem eine dürftige Behandlung angedeihen. Er nimmt den heute bereits vielfach überwundenen Standpunkt ein, den auch Schopenhauer mir ihm teilt, daß nämlich der Zweck des Daseins bie Glückseligkeit sei, und so laßt Aristoteles hauptsächlich nur die innere Ehre gelten. Die äußere Ehre erscheint ihm in erster Linie nur als Hebel der Nützlichkeit. Der Marburger Forscher erhebt die Ehre zum Wegweiser der Sittenlehre. Er hält die Ehre für „den Affekt, für die Tugenden ersten Grades, welche auf die Allheit gerichtet sind". Wenn wir die Ehre im Lichte der Geschichte betrachten, so finden wir, daß sie vor allem als politisches Gut galt. Dies war schon im Altertum der Fall. Das Volk der Griechen teilte das Menschengeschlecht in zwei sehr ungleiche Hälften ein: in Hellenen und Barbaren. Das letztere Wort hatte die verächtliche Bedeutung des fehlerhaften und ungebildeten Sprechens, des Unfreien, Knechtischen, Rohen. So abfällig urteilten die Griechen über alle die, von denen sie annahmen, daß sie sich in Gegensatz zur hellenischen Eigenart befinden. Das Volk, dem wir die Meisterwerke der bildenden Kunst und die Ausgestaltung der Denkgesetze verdanken, war sich bei weitem nicht so seiner Herrschaft im Reiche des Schönen, als seiner Berufung zur Beherrschung der Barbaren bewußt. Bei dem Volke der Römer war die Ehre gleichbedeutend, mit dem Vollgenuß der römischen Bürgerrechte. Wer das stolze Wort: „civis Romanus sum“ sprechen durste, ließ die anderen, die einer solch be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.