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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 2

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Die Ehre und das Judentum
Date
1908-01-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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2 Im deutschen Reich. Zatz: Gm verloren, wenig verloren; Leben verloren, viel verloren; Ehre verloren, alles verloren! Eine so bestrickende Gewalt übt die Ehre aus. Ein edler Geistesheld hat Hunger und Liebe als die Räderwerke im Getriebe der Welt beZeichnet. Aber es gibt, wie wir sehen, noch ein drittes Schwungrad, dessen treibende Kraft nicht minder groß ist. Was bedeutet nun dieses schillernde Wort, das uns aus Schritt und Tritt entgegenschallt und im privaten, wie im öffentlichen Leben eine solche Rolle spielt? Die ungeheure Macht der Ehre läßt sich dadurch erklären, daß sie einerseits im Gefühl wurzelt und anderseits einen Wert bezeichnet. Sie ist in erster Reihe das auf Pflichterfüllung und Rechtlichkeit, also auf Sittlichkeit beruhende Selbst. Obgleich die sittlichen Ideen ein Hin- und Herflackern des Willens bedeuten und den Wandlungen der Zeiten unterworfen sind, so ist doch das sittliche Bewußtsein mit der menschlichen Äatur so eng verbunden, daß es als beständig und unwandelbar gelten darf. Ein dem sittlichen Bewußtsein entsprechendes Verhalten galt zu allen Zeiten als ehrendast. Lange Gewohnheit hat eine Umkehrung des Satzes, „das Sitrliche ist ehrenhafte, bewirkt, so daß ein ehrenhaftes Leben als sittlich hingestellt wird. Das im Ethos wurzelnde Selbst bildet den Eigenwert, die innere Ehre. Zu den Wirkungen des Verhaltens gehört es, daß von unserem Wesen und unseren Leistungen ein Spiegelbild im Bewußtsein anderer entsteht, und dieses Spiegelbild stellt die äußere Ehre dar. Sie besteht in dem mehr oder minder öffentlichen Urteil anderer über unseren inneren Wert. Als drittes kommt noch ein Gefühl in Betracht, das nach innen wie nach außen als Gegenwirkung sich äußert, sowohl auf die Forderungen der Sittlichkeit, wie auf die Beurteilung durch andere reagiert. Mit dem Worte Ehre ist demnach ein mehrdeutiger Sinn verbunden. Wir sprechen von Ehre erstlich im Sinne von Eigenwert, dann im Sinne fremder Wertschätzung und im Sinne von Ehrgefühl. Der gewöhnliche Sprachgebrauch verwendet dasselbe Wort ziemlich unterschiedlos für alle drei Begriffe. Die innere Ehre ist unser ureigenes Werk, unabhängig von der Außenwelt, sie kann daher von niemandem, nur von uns selber geschmälert werden. Die äußere Ehre ist dagegen auch in fremde Hand gelegt. Vielleicht bildet sie deshalb den Gegenstand banger Sorge der allermeisten Menschen. Nur zwei Menschenklassen

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