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Im deutschen Reich · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. 723

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
Studien zur Geschichte des jüdischen Gottesdienstes [Rezension]
Date
1907-12-01
Page
723 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. Y25Ö Jahres noch eine Verzögerung, aber im Mai 1872 konnte die Anstalt mit einem Festakt im Saale des Brüdervereins eröffnet werden. Ludwig Philippson, der seit einem Menschenalter unermüdlich und durch feinen Mißerfolg abgeschreckt für die Hochschule in Wort und Schrift, auf Synoden und in feiner Zeitung gekämpft hatte, hielt im Namen des Kuratoriums die Weiherede. Steinthal war der erste Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Zu dem außer ihm noch Geiger, David Cassel und Israel Levy gehörten, Männer, deren Namen dafür bürgten, daß in dem neuen Hause in wirklich wissenschaftlichem Sinne gearbeitet werden würde. In eingehender und liebevoller Weise würdigt der Verfasser der Festschrift die wissenschaftliche Bedeutung und die Lehrart eines jeden von ihnen, die, so verschieden auch ihr religiöser Standpunkt war, einig waren in dem, was der jungen Anstalt am meisten uv: tat: wissenschaftliche Gründlichkeit und aufopfernde, uneigennützige Liebe Zu ihrem Lehramt. Rein aus Privatmitteln und unabhängig von jeder Gemeinde oder Behörde war die Hochschule geschaffen und eben dadurch unabhängig von jeder Parteiströmung. Freilich war die Kehrseite davon, daß sie oft mir Schwierigkeiten aller Art, nicht Zum mindesten pekuniären zu. kämpfen hatte, daß die Dozenten mit außerordentlich geringer Besoldung sich begnügen mußten, daß nötige und wichtige Eirrrichtungen nicht getroffen werden konnten. Aber die feste Entschlossenheit der Männer des Kuratoriums, das begonnene Werk nicht wieder verkümmern Zu lassen, und die selbstlose Hingabe der Lehrer leiteten die Hochschule durch alle Fährnisse und verschaffte nihr durch ihre Leistungen Anerkennung und Unterstützung. Durch eine Schenkung des Rittergutsbesitzers Nathan Bernstein wurde das Kuratorium endlich instand gesetzt „bie größte Aufgabe in Angriff Zu nehmen, deren Erfüllung seit der Begründung als NoiWendigkeit erkannt worden war, deren Ausführung bei den beschränkten Mitteln aber immer wieder verschoben werden mußte, die Errichtung eines eigenen Heims." Am 22. Oktober haben die Lehrer und Hörer die neuen Räume beziehen können, geleitet von den Wünschen aller, die die Bedeutung der Wissenschaft für das Judentum zu würdigen wissen. Und auch das darf wohl gesagt werden: In unfern Tagen, da Talmigelehrte wie Chamberlain und Gelehrte wie Harnack und Delitzsch die Minderwertigkeit des Judentums und der Juden beweisen wollen, werden die Jünger der Anstalt der praktischen Aufgabe sich nicht ent-

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