Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-12-01
- Page
- 684 (sequence 4)
- Language
- German
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684 Im oeutschen Reich. Die Organe des. ehemaligen Hofpredigers Dr. Stöcker „Reich" und „Staatsbürger-Zeituug" begeistern sich nicht für den Ankläger Hardens, sondern wehklagen nur über eine .Sensationspresse", die im Kampfe gegen Korruption und Laster mindestens entbehrlich sei. Zu diesem Kampfe gehöre Wahrheitssinn und sittlicher Ernst. Alle diese publizistischen Eintagsfliegen könnten nach Art gewisser Fliegen einen Fäulnisherd wohl anzeigen, aber zu seiner Beseitigung könnten sie garnichts tun. Im Gegenteil — sie übertrügen nur Verwesungskeime und infizierten noch bis dahin gesunde Körper. Sie seien selber ein Teil der Krankheit, als deren Arzt sie sich ausgeben möchten. Die .Staatsbürger-Zeitung", die in der .Sensationsmache" so lange die größte Meisterschaft bewiesen, von ihr gelebt und gezehrt hat, gegen diese ihre Nährmutter eisern zu sehen, müßte eigentlich erheitemd wirken. Die Stöckerpresse beschränkt sich auch nicht darauf, Herrn Harden als Volksretter zurückzuweisen, -sondern wendet sich auch gegen die jetzige " künstliche Peters-Begeisterung und erklärt mit Rücksicht auf den früheren Antisemitismus des vr. Peters, .aus diese nachträgliche antisemitische Requisition dankend zu verzichten". Die.Staatsbürger-Ztg." sagt: „Gewiß, Peters beteiligte sich Anfang der 90 er Jahre gleich lausend und abertausend anderen an der Berliner antisemitischen Bewegung; er durchzog auch das Heffenland und hielt antisemitische Vorträge. Herr Peters war aber stets nationalliberal und ist es auch bis auf den heutigen Tag geblieben. Der Antisemitismus war ihm eine zeitlang nur Mittel zum Zweck, und durch seine antisemitische Agitation beabsichtigte er nichts anderes, als nationalliberaler Reichstagsabgeordneter zu werden. Die Hessen im Kreise Eschwege—Schmalkalden hatten aber für solchen liberalen Antisemitismus kein Verständnis und wählten nicht Herrn vr. Peters, sondern seinen antisemitischen Gegner, den Pfarrer Jskraut in den Reichstag. Seit dieser Zeit hat man von dem Antisemitismus des vr. Peters nichts mehr gehört." Daß dieser einmal gemeinsam mit einem preußischen Offizier und einem hochadligen preußischen Assessor die Equipage des jüdischen Warenhausbefitzers Barrasch benutzt hat, rechnet sie Herrn vr. Peters ganz besonders als Verbrechen an. Seine Verfehlungen in Afrika hätten ihm die Stöckerianer vielleicht