Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-12-01
- Page
- 685 (sequence 5)
- Language
- German
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KA-ÄM Umschau. 685 nach verziehen, aber in dem Wagen eines Juden nach Hause fahren, wenn man ehemals mit dem Pfarrer Jskraut um die Gunst hessischer Reichstagswähler antisemitischer Observanz gewetteifert hat, das muß diese Judophoben tief empören! Der Berliner Korrespondent der Wiener antisemitischen „Deutschen Ztg." schrieb am Schluß eines Aufsatzes über den „Prozeß Moltke-Harden": „Vielleicht wird dem jüdischen Kleeblatt Harden-Bernstein-Hirschfeld doch noch ein Strich durch ihre Rechnung gemacht. Ein Gutes aber hat der Prozeß doch gehabt, er hat die Juden wieder in ihrer wahren Gestalt gezeigt und so dazu beigetragen, der Armee der Antisemiten im Deutschen Reich neue Mannschaft zuzusühren." Der biedere Korrespondent mag dies wünschen; in den Berliner antisemitischen Kreisen scheint man aber diese Aussichten selbst für den Fall sehr gering anzuschlagen, daß schließlich doch noch eine Verurteilung Hardens erzielt werden sollte. Weite Volkskreise, die durchaus monarchisch gesinnt sind, zeigen jetzt eine Haltung, die hinreichend beweist, daß sie es müde sind, sich ferner vor den Karren der romantischen Ritterspannenzu lassen,diestetspraktische Realisten sind, wenn ihre besonderen Interessen berührt werden, oder an ihren Gemeinfinn und ihre angebliche Opferwilligkeit appelliert wird. Die Abneigung der Bürger wird täglich größer gegen jene, die von dem Staate unter Berufung auf längstoergängene Leistungen! Würden und Pfründen verlangen, für den Mittelstand aber nur schöne Worte haben, wohl auch Versprechungen, jedoch nur solche, deren Erfüllung nur durch eine Erhöhung der indirekten Besteuerung ermöglicht werden soll, deren Last immer wieder nicht auf sie, sondern auf die breitesten Schichten der Bevölkerung zurückfallen würde. Die Kommunalwahlen in Berlin und einzelnen Vororten gaben davon das deutlichste Zeugnis. Nur die zahlreichen Anhänger des antisemitischen Klüngels dürften sich nach den Segnungen einer Lueger-Verwaltung sehnen, durch die Wien unbedeutender und langweiliger geworden ist. Für solche Wirtschaft ist das deutsche Bürgertum wohl kaum zu haben. Auch die Staatsregierung kann sich nicht mehr darüber täuschen, daß sie andere Stützen suchen muß als die, die sich unter der Devise „Für Thron und Altar" bisher an sie herandrängten, ihre Begeisterung für den Dhron nur durch spottbilligen Weihrauchnebel, ihr Empfinden für Haus