Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 641 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. - 641 lohner jüdische Kaufleute Mitglieder Ihres Verbandes entlassen. Geschieht letzteres, so ist dies doch wohl nicht die Folge des teilweisen Abdruckes des Flugblattes des Centralverbandes durch die „Freisinnige Zeitung", sondern des Flugblattes selbst und der darin enthaltenen Behauptungen über das Verhalten Ihres Verbandes. Nur bezüglich dieser Anschuldigungen sagt die „Freisinnige Zeitung" daß sie „mit Recht" erhoben seien. Ob letzteres der Fall, kann ich nicht prüfen. Ich glaube daher am besten im Sinne Ihres mir ausgesprochenen Wunsches zu handeln, wenn ich den Brief heute der Redaktion der „Freisinnigen Zeitung" einsende, damit diese darüber und über Ihre Ausstellungen sich äußern kann, direkt Ihnen gegenüber. Es wird ja darauf ankommen, ob die Ihrem Verbände in dem Flugblatte des „Centralvereins" gemachten Vorwürfe begründet sind. Wäre dies — wenn vielleicht auch nicht gerade in Iserlohn — auch nur teilweise der Fall, so läge sicher kein Anlaß vor, von „Fanatismus" des Centralvereins zu sprechen; demselben könnten Sie doch nicht das Recht absprechen, dann gegen solches Verhalten sich zu wehren und zu schützen. Auch ist mir nicht ersichtlich, inwieweit Ihr Koalitionsrecht angesochten wird. Da in Deutschland der Grundsatz: Gleiches Recht für alle — gilt, so müssen Sie dasselbe doch auch den „gleichberechtigten Staatsbürgern jüdischen Glaubens" einräumen. Wenn dieselben nun ihre Vereinsgenossen, weil Sie die Juden von Ihrer Organisation ausschließen, von der Anstellung ausschließen, so scheinen sie mir nur Gleiches mit Gleichem zu vergelten und nach dem Grundsätze zu handeln: was du nicht willst das man dir tu', das füg auch keinem andern zu. Von Interesse war mir übrigens, aus Ihrem Briefe zu entnehmen, welch großes Gewicht Ihr Verband, obgleich er selbst die Juden ausschließt, daraus legt, daß feinen Mitgliedern die Anstellung bei Juden gesichert bleibt. Mit Hochachtung (gez.) Müller-Iserlohn, M. d. R." Den treffenden Ausführungen des Abg. Müller-Iserlohn haben wir nichts hinzuzusügen. Bemerkt sei nur, daß die Ortsgruppe Iserlohn des deutsch nationalen Handlungsgehilsenverbandes ungefähr 50 Mitglieder zählt, die zum Teil noch nicht einmal wahlberechtigt sind. Man teilt uns weiter mit, daß diese Deutschnativnalen im Sommer 1906 bei der Nachwahl für