Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 633 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316764--16995-2339110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 883 \ litischen Arena bejubelt oder verhöhnt, in Lagen gerät, wo er bei der Wahl der Kampfmittel sich selbst erniedrigen muß. Die Erfahrungen, die der Reichstags- und Landtagsabg., .Amtsgerichtsrat Lattmann bei den verschiedensten Gelegenheiten gemacht hat, sollten wirklich jedem Richter die Lust benehmen, sich in die Reihe der Kämpfer zu stellen, die unter der falschen Flagge des „Nationalismus" dahin streben, einen Teil der deutschen Bevölkerung zu entrechten, lieber diesen „Richter" wurde der „Köln. Ztg." am 1. Oktober aus Kassel berichtet: „Eine derbe Abfuhr wurde dem antisemitischen Reichs- und Landtagsabgeordneten Lattmanu- Schmalkalden, dem Vertreter Kassels, in einer gestern Abend abgehaltenen öffentlichen Versammlung der beiden hiesigen nationalliberalen Vereine zuteil. Um den politischen Frieden in unserer Stadt wieder herzustellen, verweigerte der Leiter der Versammlung, Pros. O. Hebel, als sich nach den trefflichen Ausführungen des Landtagsabgeordneten Landesrates vr. Schroeder der Abg. Lattmann zum Wort meldete, diesem das Wort, woraus Lattmann die Versammlungsteilnehmer einlud, ihm in eine von ihm vorher bereits fürsorglich angemeldete Versammlung zu folgen. Nur etwa 40 seiner Getreuen folgten ihm; die Hoffnung, die nationalliberale Versammlung zu sprengen, erfüllte sich nicht. Die Art des Vorgehens Lattmanns, der heute auf eine Ei klärung der beiden Vereine in Sachen des Sonderabdrucks der Deutschsozialen Blätter „ausführlich" antworten wollte, verdient deshalb Beachtung, weil sie zeigt, mit welchen Mitteln die Antisemiten politische Kämpfe zu führen sich bestreben." Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, in der man über „politische Richter" ebenso urteilen wird, wie ehemals über „politische Pastoren", von denen einige, dank der rückschrittlicheren Strömung im letzten Jahrzehnt, jetzt wieder eine einflußreiche Rolle spielen. Wie man zeitweise an maßgebender Stelle über diesen Einfluß gedacht hat, darüber geben die von dem Hofprediger a. D. Stöcker neuerdings in seinem Organ „Das Reich" veröffentlichten „Erinnerungen aus seinem Leben" manchen Aufschluß. Besonders interessant ist sein Briefwechsel mit dem Oberkirchenrat. Dieser hatte ihn auf die für das öffentliche Verhalten der Geistlichen bezüglichen Erlasse von 1863 und 1877 aufmerksam gemacht und dabei gesagt: „Indem wir Ew. Hochwürden daher hierdurch zu