Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 626 (sequence 6)
- Language
- German
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626 Im deutschen Reich. sozialen Parteiprogramm stehen, hat sich der Abg. Lattmann eine Polemik dagegen versagt und sich mit der Versicherung begnügt, daß die „rückständige Ansicht seiner Partei über die Börse sich mit den Anschauungen vieler kleinen Bankiers decke, die wie bei dem Bankiertage öffentlich nicht zum Worte kommen könnten". Vielleicht war der deutsch-soziale Amtsgerichtsrat der Ansicht, daß er diesen Gegenstand zur weiteren Erörterung ruhig der hochkonservativen „Kreiszeitung" überlassen könne, die sich sofort nach dem Bankiertage in Hamburg redlich bemüht hatte, in der ihr eigentümlichen Weise „Börse und Judentum" zu verquicken. Sie meinte, für die Börsengesetzreform träte am entschiedensten der Freisinn ein. Zu dem die ganze Judenheit Deutschlands halte, soweit sie nicht sozialdemokratisch sei. Am jüdischen Neujahrstag seien die Börsen von Berlin und Frankfurt a. M. fast geschäftslos gewesen. Ein jüdischer Bankier hatte auf dem Bankiertag in Hamburg die Notwendigkeit einer starken Börse in Kriegszeiten zum Gegenstand eines Vortrags gemacht. Diese Tatsachen, so folgerte dann das konservative Blatt, beleuchten wieder einmal den so geflissentlich verdunkelten Zusammenhang zwischen Börsenfrage und Judenfrage. Nicht als ob die Börse eine nationale Angelegenheit der Judenheit wäre; aber daß die Juden an der Fondsbörse und an der Produktenbörse nach Zahl und Bedeutung weit überwiegen, daß die jüdischen Börseninteressenten in der freisinnigen Partei und Presse einen starken Einfluß ausüben, und daß also die Gesetzgebung alle Ursache hat, die von dort aus getriebene Agitation für eine Aenderung der bestehenden Gesetze mit aller Vorsicht, ja mit einem gewissen Mißtrauen zu behandeln, werde niemand bestreiten können. Daran schlossen sich Betrachtungen über „den zersetzenden Einflnß des Judentums". Sein Einfluß sei zurückgegangen; das würde aber wieder anders werden, wenn die bürgerlichen Parteien, zu denen sich das Judentum gewohnheitsmäßig hält, unter der heutigen Konstellation im Reichstage bei einer wichtigen Frage den Ausschlag gäben. „Als einem Gastvolk, das nicht in der deutschen Nation aufgehen will noch kann, ziemt den Juden die politische Bescheidenheit. Aber die Bescheidenheit muß ehrlich sein, und ehrlich ist es z. B. nicht, wenn die Bedeutung der