Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 624 (sequence 4)
- Language
- German
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624 Zw deutschen. Reich. wit bemerkenswerter Schärfe gegen die deutschsozialen Führer richtet, und der, wie aus der Bitterkeit der auf diese Absage erfolgten Entgegnungen hervorgeht, von den Antisemiten eine große Bedeutung beigelegt wird. Bei der schneidigen Kritik, die Sunkel in der erwähnten „deutsch-sozialen Beurteilung der Judenfrage" zu teil werden läßt, geht er von dem Satze des großen Geschichtsschreibers Ranke aus: „Die Nationalitäten sind nicht durchaus naturwüchsig, nicht sowohl Schöpfungen des Landes und der Rasse als der großen Abwandlungen der Begebenheiten." Er stützt sich aber auch auf verschiedene Aussprüche des Professors Alfred Kirchhofs zu Halle wie z. V. „In dem Wollen brüderlichen Zusammenhaltens wurzelt jede echte Nation", „Das Merkmal der Zugehörigkeit zu einer Nation ist die Staatsbürgerschaft". „Nicht Bluts- oder Sprachenverwandtschaft machen die Nationen, sondern der Raum" und er kommt dann zu demselben Schluß wie Kirchhofs: „Die Staatsbürger mosaischer Konfession gehören also gerade so gut zur deutschen Nation wie die übrigen Bekenntnisse, eben weil sie Bürger des Reiches sind." Unter Hinweis auf Gustav Freytags bedeutungsvolle „Pfingstbetrachtung" vom Jahre 1893 wendet sich Sunkel auch gegen die vorurteilsvolle Meinung der Konservativen „Der Jude hat die Eigenschaften; sie sind eine untilgbare Eigentümlichkeit". Das, sagt Sunkel, ist eine vorkantische, vorgoethische Auffassung, die, aus Plato hervorgegangen, Jahrhunderte beherrscht habe und die Wurzel der noch heute mächtigen Orthodoxie sei. Der Liberale aber müsse der Weltanschauung Herders, Kants und Goethes huldigen, der Vorstellung von der Wandlungsfähigkeit und Entwickelungsfähigkeit alles Lebendigen. „Ich glaube", fügt er hinzu, „daß alle Nationalitäten, wie weit sie in ihrem religiösen Bekenntnis auseinandergehen, auf dem Boden jener Kant-Goetheschen Entwickelungslehre stehen, während die Hauptkraft der Konservativen in der Lehre von der Unwandelbarkeit alles Seienden beruht, einer Lehre, die bei den Antisemiten ihre Ausprägung findet in der Behauptung von der untilgbaren Eigentümlichkeit, von der Unwandelbarkeit des jüdischen Charakters". Wie weit Sunkels Glaube zutreffend ist, hat sich aus den Verhandlungen des uationalliberalen Parteitages,