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Im deutschen Reich · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. 611

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Die zweite Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden
Date
1907-11-01
Page
611 (sequence 5)
Language
German
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Die zweite Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden. 611 Der greise Gelehrte faßt seine Forderungen wie folgt zusammen: Das erste Postulat fordert die Entwickelung aller religiösen Fragen aus dem Leitbegriff der Einheit Gottes. Der Gott des Judentums ist der Gott der Sittlichkeit. Daran knüpft der Redner eine Ermahnung an diejenigen Juden, welche aus dem Vorurteil der europäischen Kultur, obzwar im Judentum verbleibend, diesem die positive Ueberzeugung und Mitarbeit, versagen. Die Einheit Gottes ist eine der Grundlagen der europäischen Kultur; denn Natur und Sittlichkeit dürfen nicht mit Monismus und Pantheismus identifiziert werden — aber sie weisen beide auf einen gemeinsamen Urgrund hin. Diesen bildet der einzige Gott. — . . Das zweite Postulat fordert die Mitwirkung der deutschen Judenam deutschen Staate aus dem jüdischen Gottesbegrifi heraus. Dieser ist mit der messianischen Idee verwachsen. Der messianische Gott vollzieht die Verwirklichung der Sittlichkeit auf Erden in der Vereinigung der Völker zur Idee der Menschheit. Er ist der Gott der Menschheit, daher nicht der Gott des Staates. Er fordert daher die Mitarbeit an einem geschichtlichen Staate Zur Herbeiführung des Ideals der Messianischen Sittlichkeit und weist dabei hin auf den Anteil des deutschen Zeitalters der Humanität für das Lebendigwerden in der echten prophetischen Bedeutung des Messianismus. Das dritte Postulat fordert intensivere Pflege der Wissenschaft des Judentums, demzufolge den anzustrebenden Gang zur Universität. Das literarische Ghetto muß fallen. Auch die Politik muß die Kulturkcaft einschätzen, welche aus den Religionsquellen des Judentums erstlrch den Juden, sodann aber auch der allgemeinen Kultur zustießt, und für die Juden ist die Förderung ihrer Wissenschaft geschichtlich wie fachlich die Erhaltung ihrer Religion. Aus den Ausführungen des Philosophen ist hervorzuheben, daß nach seiner Ansicht die Moral nicht ausreiche für das Lebensrecht einer Religion; der Gottesbegriff sei alles. Der Gott der Judenheit sei ein Gott der Sittlichkeit; es gäbe keine europäische Kultur, keine neue Ethik, der die Idee des einzigen Gottes widerspreche. Deshalb verficht auch der Rest Israels mit aller Macht.die Idee Gottes. Cohen sagt, daß Natur und Sittlichkeit eins seien; aber einen Nationalgott der Juden gebe es nicht; der Gott der Juden sei der Gott der Menschheit, der uns unser Vaterland entrissen habe, um es uns in ihr wiederzugeben.

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