Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Die zweite Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 609 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316764-2339014--16965-2339086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die zweite Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden. 609 Das preußische Schulgesetz hat im zweiten Geschäftsjahr im Vordergründe unseres Interesses gestanden. Welche Fülle von Vorarbeiten erforderlich war, bevor die in unseren Berichten abgedruckten Denkschriften ausgereift waren, werden nur diejenigen voll würdigen können, welche selbst hierbei mitgearbeitet haben. Ich danke an dieser Stelle den Mitgliedern der politischen Kommission, und insbesondere ihrem Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Makower, welche das gewaltige Material durchgearbeitet und unermüdlich persönlich und schriftlich dafür tätig gewesen sind, daß die jüdischen Interessen in der preußischen Volksschule nicht, wie es im ersten Entwurf der Regierung beabsichtigt schien, als völlig gleichgiltig bei Seite gesetzt worden sind. Wenn, in Zukunft von einer jüdischen Volksschule und von einer Berücksichtigung des jüdischen Religionsunterrichts bei Volksschulkindern in Preußen noch die Rede sein wird, so ist dies auf unsere ernsten Bemühungen zurückzusühren. Ich danke den Herren Abgeordneten, welche unseren Bestrebungen Verständnis und Bereitwilligkeit entgegen gebracht haben. Hiergegen traten die Bemühungen Lei Gelegenheit des Toleranzantrages im Reichstage, bei der Beratung des Reichsstempelsteuergesetzes, bei der Wahrung der Rechte jüdischer Auslandsreisender, was den Umfang der geleisteten Arbeit betrifft, in den Hintergrund. Sie Zeigen aber, daß wir ständig auf der Warte standen und somit eine Funktion übten, für welche es bis Zur Begründung des Verbandes an einem Organ der zusammengefaßten deutschen Judenheit gefehlt hat. Erwähne ich noch die Tätigkeit der Kommission, welche mit anderen Verbänden zusammen zur Abwehr der Angriffe auf die traditionelle jüdische Schlachtmethode gebildet worden ist, so habe ich im wesentlichen die Arbeitsleistung des zweiten Geschäftsjahres geschildert. Im dritten Geschäftsjahr stand die Arbeit des Ausschusses unter dem Zeichen der Abstellung staatlicher Zurücksetzungen. Nach umfangreichen Vorarbeiten, bei denen die Gemeinden und unsere Herren Korrespondenten uns besonders anerkennenswerte Mitarbeit geleistet haben, sind wir zu sicheren Schlüssen darüber gelangt, wo bei der Auswahl der Schöffen und Geschworenen, bei der Beförderung der angestellten Richter und vor allen Dingen beim Avancement im Heere die Zurücksetzung unserer Glaubensgenossen eine