Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 576 (sequence 12)
- Language
- German
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576 Zm deutschen Reich. wahrt, daß man für moralische Entgleisungen einzelner Juden das gesamte Judentum verantwortlich macht, sowie daß die Antisemiten jeden eines Verbrechens angeklagten Juden noch vor dem Abschluß des gerichtlichen Verfahrens alsschuldig bezeichnen, hatte das Wiener „Deutsche Volksblatt" den traurigen Mut zu behaupten: „Darin liegt der gewaltige Unterschied zwischen arischer und jüdischer Weltanschauung, daß wir Arier jede Gemeinsamkeit mit einem Verbrecher von uns weisen und ihn als verfehmt aus unserer Mitte ausstoßen, während sich das gesamte Judentum mit jedem jüdischen Verbrecher solidarisch erklärt und ihn vor den durch das Gesetz oorgeschriebenen Folgen seiner Tat zu schützen sucht/' Daraus entgegnet die „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung": „Die Juden müßten in ihrer Gesamtheit eine Rotte von Verbrechern sein, wenn sie Missetäter schützen wollten, weil sie Juden sind. Aber alle ehrenhaften Menschen müssen dagegen Stellung nehmen, daß ein Mensch, nur weil er ein Jude ist, zum Verbrecher gestempelt werden soll. Ueber die Fälle, die das „Deutsche Volksblatt" mit stumpfsinniger Dreistigkeit als Beweise für die Solidarität des Judentums mit „jüdischen Verbrechern" anführt, sagt das freisinnige Blatt: „Im Falle Hülsner wurde ein Justizverbrechen begangen, weil die Geschworenen unter der Suggestion des RitualmorLes standen. Im Falle Drepfus, wollte man nicht dulden, daß ein Justizverbrechen gutgemacht werde, weil die Antisemiten einen „jüdischen" Verräter brauchten. Es gibt keine Solidarität der Juden, die Verbrecher wegen ihrer Konfession schuldlos erscheinen lassen wollen, aber es gibt eine Solidarität antisemitischer Verleumder, die Schuldlose wegen ihrer Konfession zu Verbrechern machen." Auf ein solches gemeingefährliches Zusammenwirken der antisemitischen Verleumder ist es auch zurückzuführen, daß die einem Hohn auf die Kulturzustände des 20. Jahrhunderts bildenden abscheulichen Judenverfolgungen in Rußland kein Ende nehmen. Als in den ersten Septembertagen nach einem Pogrom, bei dem drei Juden getötet und sechzig schwer verwundet wurden, ohne daß die Polizei einschritt, eine Abordnung des Odessaer Börsenausschusses von dem Gouverneur Glagolaw Schutz gegen Plünderungen und Mißhandlungen aller für Juden gehaltenen Bürger durch die Banden der „echt-russischen