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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 577

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-10-01
Page
577 (sequence 13)
Language
German
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Umschau. 577 Leute" erbat, erklärte Glagolaw, die Juden, „die fortwährend Revolutionen anzettelten", vor der Volkswut nicht schützen zu können. Daß durch die unerhörten Qualen, denen die russischen Juden durch die „schwarzen Hundertschaften" ausgesetzt sind, ohne von den Behörden den Schutz Zu erfahren, auf den jeder friedliche Bürger Anspruch hat, einzelne Juden zur Verzweiflung getrieben werden und sich den Empörern anschließen, ist unendlich traurig, aber sehr begreiflich, rechtfertigt jedoch keineswegs die auch von der nichtrussischen Antisemitenpresse beständig wiederholte Verleumdung, daß alle russischen Juden an der Empörung in Rußland, die seit drei Jahren dort einen förmlichen Kriegszustand herbeigeführt hat, die Schuld tragen. Auch aus Lodz und Kischinew wurden in den letzten Wochen wieder entsetzliche gegen die schutzlosen Juden verübte Verbrechen gemeldet. Es scheinen noch viele Plünderungen, Prügeleien und Mordtaten nötig Zu sein, um die 'russische Regierung davon zu überzeugen, daß schwarze Banden der „echt-russischen Leute" nicht die Stütze des Staates, sondern eine gefährliche Seuche sind, welche das Land vollständig zu verheeren droht. So lauge das Stadtoberhaupt von Odessa Grigoriew seines Amtes waltete, verhinderte dieser aufgeklärte und tatkräftige Mann die schlimmsten Ausschreitungen. Nachdem es gelungen war, ihn Zu entfernen und durch einen Kiewer Gendarmerie-Offizier, dem der schlechteste Ruf vorausging. Zu ersetzen, war man darauf gefaßt, daß neue Pogrome in Odessa ausbrechen würden. Der neue Stadthauptmann von Odessa will dort den Judenhetzen ein Ende machen. Er hat einen Befehl an die Polizei erlassen, in dem er darauf hinweist, daß es seine erste, unaufschiebbare Aufgabe sei, Beruhigung für die Stadtbevölkerung Zu schaffen. Das Einstellen der Straßenunruhen sei eine dringende Notwendigkeit für Odessa. Die Polizei müsse jederzeit Herrin der Straße sein und dürfte keinesfalls zulassen, daß irgend jemand, wer es auch sei, sich eigenmächtig polizeiliche Funktionen anmaße. Der „Verband wahrhaft russischer Leute" wird diese Ankündigung nicht tragisch nehmen; er wird unter dem Vorwand, die Revolution zu bekämpfen friedliche Bürger martern, töten lassen, deren Hinterbliebene zur Verzweiflung treiben und damit in die Reihe von Empörern drängen. Tatsächlich sind nur äußerst wenige Juden überführt worden, an den Terroristentaten in Rußland beteiligt gewesen zu sein; tatsächlich wird diese Beteiligung von dem weit-

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