Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 572 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316763--16886-2338964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Iw deutschen Reich. durch das Gesetz vom 3. Juli 1869 kodifizierte Gleichberechtigung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Wahrheit werden durch den ehrlichen guten Willen und den aufgeklärten S-nn der SLaatslenker und des freisinnigen deutschen Bürgertums. Dieser Fortschritt kann nur erzielt werden durch die allgemeine Erkenntnis, daß es keine Ehre für Deutschland ist, wenn in einem Kultur- und Rechtsstaate mehr als eine halbe Million Staatsbürger nur wegen ihrer Abstammung oder nur wegen ihrer religiösen UeberZeugung Rechtsbeschränkungen sich gefallen lassen muß. Daß die keine gleichen Rechte genießenden deutschen Juden trotzdem ihre bürgerlichen Pflichten treu und ganz erfüllen, kann nicht bestritten werden. Man lehnt auf Grund einer ungenügenden Enquete in den beteiligten Kreisen den Zentrumsantrag ab, der den jüdischen Einjahrig-Freiwilligen die Möglichkeit eröffnete, Reserve-Offiziere zu werden und nicht mehr als vermeintlich minderwertig von dieser Beförderung ausgeschlossen zu sein; dennoch leisten die Juden gern und mit einer von allen Unbefangenen anerkannten Tüchtigkeit ihrer Militärpflicht Genüge. Aehnlich verhalt es sich auch auf anderen Gebieten; auch im bürgerlichen Leben verunzieren sie nirgends die Front; vielmehr bilden überall einzelne Juden Zierden ihres Standes — und dennoch? Das Vorurteil hat doch nur so lange eine Macht, als man es fürchtet; wo man es verachtet und mit fester Hand in das Wespennest greift, ist es ungefährlich. Hat denn der große Realpolitiker Fürst Bismarck die Fronde des hohen Adels und der Großgrundbesitzer gefürchtet, als er einst unter dem Bruch des Legitimitätsprinzips daran ging, Deutschland unter Preußens Führung groß und mächtig zu machen? Nein! er hat der Welt gezeigt, daß die preußischen Konservativen nur mit dem Willennicht aber gegen den der Regierung etwas ausrichten können. Seitdem hat aber in den letzten Jahrzehnten die monarchische Opferwilliakeit der Agrarier für staatliche Forderungen kaum noch im rechten Verhältnisse zu den Forderungen gestanden, die sie mit stetem Erfolg an den Staat gerichtet haben, während die industriellen Kreise sich weit uneigennütziger erwiesen. Ein Beispiel für die vielgerühmte agrarische Opferwilligkeit entnehmen wir nicht etwa dem Bericht eines sozialdemokratischerr . Blattes, sondern dem Ppritzer Organ des antisemitischen Abg.