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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 571

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-10-01
Page
571 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 571 uns und Anderen gemacht worden sind. Der Gewinn einzelner Mandate durfte unter keinen Umständen in Betracht kommen, wenn dabei einer der Grundpfeiler des Liberalismus, die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, durch ein Paktieren mit dem erbittertsten Gegner dieser freiheitlichen Forderung gefährdet wurde. Es wird sich nun Zeigen, ob die freisinnige Volkspartei künftig das oberste Prinzip eines Rechtsstaates mit genügender Festigkeit vertreten und die Staatsleitung überzeugen wird, daß die Blockpolitik ohne Wahrung des Gesetzes vom 3. Juli 1869 wertlos und unhaltbar ist. Mit dem Hinweis auf Imponderabilien brauchen sich die liberalen Parteien nicht mehr abspeisen Zu lassen. Ein Reichskanzler, der es dem Dichter zur Pflicht macht, „Sen Geist seines Volkes aufzuklären und dessen Gesinnungs- und Denkweise zu veredeln", muß ganz genau wissen, daß Zu demselben Zwecke ein Staatslenker nur den festen Willen zu Zeigen braucht, Verfassung und Gesetz gegen den Willen von antisemitischen Hetzrednern, gewerblich untüchtigen Bierbankpolitikern, Witze reißenden politischen. Zirkusclowns und durch Liebesgaben verwöhnten Agrariern zu wahren. Er weiß auch, daß, wenn der Träger der Krone selbst der hervorragenden Befähigung und politischen Zuverlässigkeit einzelner Staatsbürger jüdischen Glaubens trotz der hämischen Glossen der antisemitischen Presse die größte Anerkennung zollt, die sogenannte exklusive Gesellschaft sich einen jüdischen Zuwachs genau so widerstandslos gefallen lassen wird, wie dies in England und anderen Ländern geschehen ist. Vorher müßten sich nur erst die höheren Beamtenkreise der feigen Furcht entschlagen, als „Judenknechte" verunglimpft zu werden, wenn sie selbst sich öffentlich der Vorurteile entäußern, die sie als hochgebildete Menschen und ehrliche Charaktere innerlich als ganz unberechtigt anerkennen. Die Gleichberechtigung des dritten Standes, des Bürgertums ist bekanntlich am Ende des 18. Jahrhunderts nicht etwa von den unteren Schichten der Bevölkerung in Frankreich, sondern von den edelsten Männern des Adels und der Geistlichkeit ausgegangen, die Gleichberechtigung des Arb eit erstanden von den Männern der Wissenschaft zuerst angeregt und durch die Sozialreformen Kaiser Wilhelms I. wesentlich gefördert worden. Ebenso wird und muß die s. Z. von dem Zentruwsführer Windthorst im Verein mit dem Abg. Wiggers

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