Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316763--16884-2338962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
570 Zw deutschen Reich. entfernt ist, mit dem Zentrum gegen diese Politik zu „konspirieren". Andererseits beeilte sich auch die katholische „Kölnische Volkszeitung" das gleiche zu versichern und hinzuzusügen, daß Herr v. Tirpitz, dessen politische Anschauungen ihn, wie bekannt, weit eher mit dem Freisinn als mit dem Zentrum in Verbindung bringen könnten, gewiß der letzte wäre, der durch solche Beziehungen auf eigene Rechnung und Gefahr die Zirkel des Reichskanzlers stören wollte. Demnach hat der Reichskanzler völlig freie Hand, die Blockpolitik aufrecht zu erhalten, zumal die nationalliberale Partei rückhaltlos bereit ist, der Flottenvermehrung zuzustimmen und einflußreiche Mitglieder der freisinnigen Parteien selbst in Bezug auf die strittige Wahlrechtsfrage zur Nachgiebigkeit mahnen, um, wie sich der freisinnige Abg. Dr. Pachnicke in einer öffentlichen Erklärung geäußert hat, es dem fürstlichen klugen Rechner und politischen Künstler zu ermöglichen, ein Programm zu verwirklichen, das wie folgt lautet: „Dem guten Willen die offene Hand, der Fortsetzung einer Politik des Klafseninteresses und der geistigen Bedrückung entschlossene Abwehr." Diese Abwehr dürfte sich noch wichtiger erweisen als die Wahlrechtsangelegenheit; sie entspricht nicht nur den dringenden Wünschen der trotz Verfassung und Gesetz noch immer nicht als tatsächlich gleichberechtigt behandelten jüdischen Bevölkerungsminderheit, sondern aller wirklich freisinnigen deutschen Staatsbürger. Dieser Empfindung entspricht auch der für den Parteitag der freisinnigen Bolkspartei vom Äbg. vr. Müller-Sagau und Genossen gestellte Antrag, zu beschließen: „Der Parteitag erachtet es im Interesse des Gemeinwohles für unerläßlich, daß baldigst die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung Verwirklichung findet, und daß sonst geeignete Elemente nicht mehr wegen irgend welcher Unterschiede des Glaubens oder der Geburt von Aemtern der Reichs- und Staatsverwaltung, vom Sanitäts- oder Offizierskorps ausgeschlossen oder bei Beförderung' im Reichs- oder Staatsdienst Zurückgesetzt werden." Mit diesem Antrag will die freisinnige Volkspartei offenbar einen großen Teil der Vorwürfe widerlegen, die ihr wegen ihres Verhaltens bei den letzten Reichstggswahlen von