Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 569 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 569 offen erklären muß, was die linksstehenden Parteien für die bei der „konservativ - liberalen Paarung" gebrachten und voraussichtlich noch Zu bringenden Opfer Zu erwarten haben. Fürst Bülow hat unverkennbar in dieser Erkenntnis die Vertreter von drei verschiedenen freisinnigen Gruppen, die Abgg. Kämpf, Schmidt-Elberfeld, Schräder und Friedrich Payer, eingeladen, nach Norderney zu kommen und sich dort mit ihm auszusprechen. Daß er auch die Antisemiten Liebermann von Sonnenberg und I)n. Oertel zu sich beschied, mindert die Bedeutung der vorausgegangenen Verhandlungen nicht. Zur Nordfahrt Payers bemerkte die „Volkszeitung": „Hoffentlich läßt der Führer der süddeutschen Volkspartei bei dem Fürsten Bülow keinen Zweifel daran aufkommen, daß es nicht die Aufgabe und der Sinn der Blockpolitik sein könne, die Forderungen des Liberalismus den Konservativen Zuliebe bis zur völligen Harmlosigkeit zurückzuschrauben." Daß Fürst Bülow auf den mühsam geschlossenen liberal-konservativen Block verzichten würde, ist nicht anzuunehmen. Er selbst kann unmöglich im Zickzack zum Zentrum zurückkehren und daun noch im Amt bleiben. Ebensowenig aber wird der Monarch leichten Herzens auf einen Kanzler verzichten, für den sich nur schwer ein genügender Ersatz finden lassen würde, zumal Fürst Bülow nicht aus Ehrgeiz, sondern nur aus aufrichtigem Patriotismus, gegen ärztliches Anraten, fein schwieriges Amt behält. Seine Stellung konnte deshalb in keiner Weise dadurch erschüttert werden, daß ein bekannter Zentrumssührer, der Abg. Spahn, in einer großen Parteiversammlung die Versicherung abgab, die Zentrumspartei werde, trotzdem sie nicht Regierungspartei sei, für die Flottenvermehrung, Vergrößerung des Deplacements der Schiffe und die Herabsetzung der Altersgrenze der Linienschiffe stimmen. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" die an diese Mitteilungen Bemerkungen über Beziehungen Spahns zuw Marineministerium geknüpft hatten, wurden alsbald genötigt, diese zu widerrufen und zu erklären: „Wir wissen bestimmt, daß Admiral v. Tirpitz, wie er sich des vollsten Vertrauens des Kaisers und des Reichskanzlers erfreut, durchaus treu und loyal sich in die vom Kaiser gebilligte Gesamtpolitik des Fürsten Bülow einfügt und himmelweit davon